Zweites Kapitel.
Allgemeiner Charakter des individualistischen
veelenlebens auf der Höhe seiner Entwicklung.

1. Erscheint die geistige Entwicklung Deutschlands vom
16. bis zum 18. Jahrhundert hin zwiegeteilt in dem Sinne,
daß ein kleines Gebiet deutschen Bodens im äußersten Nord—
westen und neben ihm allenfalls noch die einzige wirkliche Groß—
stadt der weiteren atlantischen Küste, Hamburg, führend auf—
traten, während der Rest nur mühsam folgte und vielfach von
Rezeptionen aus diesem Gebiete wie auch aus der Fremde
lebte, so zeigte doch darum die beiderseitige Entwicklung noch
keine absoluten und völlig grundsätzlichen Unterschiede. Die
Richtung des Fortschritts war vielmehr auf jeder Seite wesent—
lich die gleiche; sie wurde nur im inneren Deutschland weniger
weit durchmessen. Darum ist es auch möglich, von dem
Charakter der deutschen Persönlichkeit dieser Zeit ein Gesamt—
bild zu entwerfen, insofern sie als Potenz der gemeinsamen
Entwicklung wirkte. Es soll das in diesem Abschnitt zunächst
oon der wichtigsten ihrer Seiten, der intellektuellen, her ge—
schehen.
Das älteste, uns in der deutschen Überlieferung noch eben
zugängliche Denken geht fast ganz in unbewußten Analogie—
schlüssen und Analogiebildungen auf; es will die Dinge nicht
eigentlich begreifen, es will sich nur durch Aufsuchung von
Ahnlichkeiten gleichsam an sie gewöhnen; es will sie nicht ver—