schaft auch nach anderen als den verglichenen Seiten hin
folgert. Es ist der für das ganze Mittelalter charakteristische
Schluß, dessen eingehende Entwicklungsgeschichte erst das tiefste
Verständnis der intellektuellen Struktur der gebundenen Persön—
lichkeit dieser Zeiten eröffnen würde.

Was er in seiner einfachsten Form bedeutet, sei hier zu⸗
nächst an einem Beispiele des späteren Mittelalters erläutert.
In dieser Zeit wird immer und immer wieder der Schluß ge⸗
macht: Papst und Kaiser verhalten sich zueinander wie Sonne
ind Mond, folglich ist der Papst um sovielmal mächtiger als
der Kaiser, wie die Sonne größer ist als der Mond. Es ist
ein für das Mittelalter durchaus —XV
noch ein so scharfsinniger Denker wie Nicolaus von Kues (um
1430) nicht entzogen hat.

Allein wichtiger als der einzelne Schluß waren die Vor—⸗
zgänge, in denen schon sehr früh solche Schlüsse zu Systemen
des Denkens zusammengeschossen wurden. Das wichtigste Er—⸗
eignis war hier die Begrundung einer vollen auf Analogie⸗
schlüssen beruhenden Weltanschauung: der Mythologie. Will
der Mensch seine Freiheit behaupten, so muß er sich der Natur
entgegensetzen; der älteste Versuch einer intellektuellen und
moralischen Beherrschung der Welt kann nur von der Ent—
wicklung des Gesichtspunktes, daß die Welt etwas außer uns
sei, hervorgegangen sein; so tief liegen die Grundlagen eines
primitiv dualistischen Denkens. Setzte man sich aber der Natur
entgegen, so war sie nur nach Analogie menschlicher Vorgänge
zu begreifen. So wurden hinter den Naturvorgängen Kräfte
gesucht, deren Ursprung und Zusammenhang nach Art mensch⸗

licher Tätigkeit aufgefaßt ward; und so ergab sich eine Personifi⸗
kalion der Naturkräfte in Göttern, die dann, wiederum in
Analogieschlüssen, dem Wesen menschlichen Daseins entsprechend,
nur gewaltiger konstruiert, gedacht wurden.

Neben der mythologischen Weltanschauung aber stehen in
den Zeitaltern des Analogieschlusses als ein Ausdruck derselben
Entwicklungsstufe des Denkens der Glaube an Autoritäten und
Wunder.

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Siebzehntes Buch. Zweites Kapitel.