92 Siebzehntes Buch. Zweites Kapitel.
erscheinungen kam man zur wissenschaftlichen Beschreibung; ja
indem man für einzelne Wissenschaften auf Grund der ein—
gehendsten Induktion zur Zerlegung der Erscheinungen mit
Rücksicht auf ihre ursächlichen Beziehungen fortschritt, gewann
man die ersten Formen einer kausalen Analyse und damit die
Anfänge einer nächsthöheren wissenschaftlichen Verständnisform
über der Beschreibung.

Diejenige Wissenschaft, welche auf diesem Wege, und zwar
mit Hilfe der Mathematik, zuerst durch das unendlich Mannig⸗
faltige der Erscheinungen hindurch zu dem Kern der Dinge
vordrang, war die Mechanik. Ihr folgte dann in näherem
Abstande die Physik, in weiterem die Chemie. Alle Wissen⸗
schaften dagegen, deren Beschreibung an sich schon große
Schwierigkeiten macht, wie die Physiologie und die Biologie,
die Psychologie und die Geisteswissenschaften, wurden zunächst
unvollständig und unbefriedigend entwickelt.

Trat nun aber das Denken den Erscheinungen durch die
Werkzeuge der Induktion und Abstraktion mit stärkerer Inten⸗
sität und Exklusivität nahe, als vorher, so ergaben sich für
deren Anwendung doch alsbald die größten Schwierigkeiten.
Zunächst genügte die Sprache nicht mehr dem Ausdruck des
nunmehr Gefundenen; es wurde notwendig, ganz neue Systeme
von Begriffen und Kategorien zu schaffen. Es war eine
Forderung, die durch die wissenschaftlich noch ungelenken
Sprachen der modernen Völker nicht so leicht erfüllt werden
konnte, während die Sprachen der Alten ihr eher Genüge
taten. Darum wurde die Sprache der Wissenschaften noch
einmal ein mit griechischen Wörtern stark durchmengtes Latein,
bis die Nationalsprachen den entsprechenden Wortschatz für die
neuen Begriffe und die nötige Geschmeidigkeit für deren denk—
hafte Verbindung erlangt hatten.

Aber damit war das Heer der Schwierigkeiten, die sich
auftürmten, noch keineswegs bewältigt. Die früheren Beobach—
tungen waren mehr von zufälligen Wahrnehmungen ausgegangen.
Jetzt dagegen kam es darauf an, zahlreich und intensiv zu
beobachten.