Wiffenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 117
zunehmen, die da nur sein konnte Gott: so liegt auf der
Hand, daß in der mystischen Intuition recht eigentlich die
wissenschaftliche Methode dieses neuen Denkens gegeben war,
daß allein durch eine intellektuelle Verzückung, durch ein Auf⸗
gehen in die Urkraft und wo möglich deren zeitweises Beherrschen
die Möglichkeit eines vollen Verständnisses der Erscheinungs—
welt als gegeben erschien.

Wie aber diese Intuition, diese Bezwingung des Geistes
und der Kraft herbeiführen? Auch hier stellte die Tradition,
freilich eine solche vornehmlich nicht heimischen, sondern jüdisch⸗
arabisch-spanisch-italienischen Charakters, die Mittel zur Ver⸗
fügung: Alchimie, Astrologie und vor allem Magie konnten
da helfen.

Die klassische Überlieferung aber fügte der Intuition, dem
mystischen Hebelpunkt des Erkennens, und den Methoden, dieser
Intuition nahezutreten, für den pandynamistischen Drang der
Zeit noch ein Weiteres hinzu: ein ganzes System pandyna⸗
mistischer Auffassung: die Lehre der Neuplatoniker.

Plato hatte, wie jetzt wohl mit ziemlicher Sicherheit fest—
steht, aus seiner Lieblingswissenschaft, der Mathematik, heraus
den Begriff der Idee entwickelt: die geometrische Methode, der
Beweis durch ein Schema hatte ihm den Gegensatz zwischen
Idee gleich Urbild und Ding gleich Abbild jenes Urbildes ver—
mittelt!. Stand aber hinter der Welt der Erscheinungen eine
Welt der Urbilder dieser, so trat für diese Welt alsbald das
Problem auf, wie sie denn entstanden sei, und wie sie auf die
Welt der Erscheinungen wirke. Es ist eine Frage, die im
Neuplatonismus gelöst worden war durch den Aufbau einer
geistreichen Mythologie von Gott als der Urkraft von ihr aus—
gehender Kräfte, die sich in die sichtbare Welt der Erscheinungen
hineinergießen.

Konnte irgend eine Lehre der Vergangenheit der geistigen
Disposition des 15. Jahrhunderts anziehender erscheinen als
diese? In Italien zunächst stieg der Kult der platonischen

Cohen, Platons Ideenlehre und die Mathematik, S. 24.