Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 121]
krämerei versinkend, das 16. und zum Teil noch das 17.
Jahrhundert; aus ihrer Mitte ist die einflußreiche Rosenkreuzer⸗
gesellschaft hervorgegangen; und in den Niederlanden, der Heim—
stätte bald der größten medizinischen Fortschritte, haben noch die
beiden Helmont, Vater und Sohn, (1477 —1644; 1618 - 16099),
auf der aufgeklärteren Gedankenwelt des Paracelsus fortgebaut.

Für die empirische Entwicklung der reinen Naturwissen⸗
schaften aber blieb das System des Paracelsus im einzelnen
ebenso unfruchtbar wie die pandynamistische Naturwissenschaft
überhaupt. Sie war ein erster Rausch, der, hervorgehend aus
jugendlich emporquellender Überschätzung der menschlichen, eben
erst zur Freiheit emporsteigenden Erkenntniskräfte, die neu—
gewonnene Möglichkeit ungestörten Naturerkennens begleitete: sie
konnte die nüchterne Empirie allenfalls anregen helfen; sie zu
begründen vermochte sie nicht.

3. Inzwischen aber war über das bloße, von den all—
gemeinen Fragen der Philosophie in diesem Falle freilich be—
sonders unklar und wirkungslos geschiedene Reich des Natur—
erkennens schon etwas Weiteres emporgewachsen: Versuche der
Begründung einer allgemeinen Weltanschauung auf Grund des
angeblich gewonnenen Wissens.

Es sind Versuche von besonderer Wichtigkeit. Denn in
ihnen zum ersten Male zeigt sich, freilich in hartem Ringen
und selbst im besten Falle ohne vollen Erfolg, das Bestreben,
neben der christlichen Offenbarung, deren Weltanschauung die
einzige des Mittelalters gewesen war, eine andere, von ihr
unabhängige Philosophie und Metaphysik zu begründen; es sind
erste, stammelnde Bestrebungen, die Sprache eines eigenen
Geistes der Zeit zu reden.

Gewiß verlaufen sie noch nicht im ausgesprochenen Gegen⸗
satze zum Christentum. Anknupfend vielmehr an die mittelalter⸗
liche Mystik und wie diese bis zu einem gewissen Grade außer⸗
kirchlich, aber nicht außerchristlich, bleiben sie nur, je länger,
je mehr, von den allgemein anerkannten Formulierungen der