128 — Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Naturwissenschaft, der die naturphilosophischen Weltanschauungen
des 16. Jahrhunderts entsprossen waren, verwelkte; auf
ues war Koppernikus gefolgt, und auf Paracelsus folgten
Slevinus und Galilei. Man begann, die Natur und damit
auch die Welt von ganz anderer Seite her zu betrachten.

II.
1. Gewiß liegen in unserem Wesen dauernde Voraus⸗
setzungen einer pandynamistischen Betrachtung. Wie unsere
Sinnlichkeit der Vereinigung mit einer ergänzenden Natur zu⸗
trebt, um in dieser Vereinigung die Gattung schöpferisch fort—
zusetzen, so strecken wir sehnsuchtsvoll unsere Geistesarme aus
nach den erhabenen Geheimnissen des Himmels und einer jen⸗
seitigen Welt; und wo uns das Wissen hier nicht befriedigt, da
möchten wir so gerne unter Annahme übernatürlicher Tatsachen
beweisen.

Und es begreift sich, daß Regungen in dieser Richtung vor
allem bei Anbruch neuer geistiger Zeiten hervortreten, da man
ahnungsvoll ertrotzen will, was an bisher unerreichten geistigen
Errungenschaften erst einer reichen Abfolge von Geschlechtern in
hartem Mühen teilweis zu erarbeiten vergönnt ist. Und diese
Regungen waren im 16. Jahrhundert, einem Zeitalter dieser Art,
doppelt erklärlich, da sie mit den ausgedehntesten Erweiterungen
des geistigen Horizonts der abendländischen Völker zusammenfielen,
Erweiterungen, die dem verzückten Blicke als die Entschleierung
jedes Geheimnisses erscheinen konnten. Da ward zu der be—⸗
kannten geschichtlichen Welt in der Antike eine neue entdeckt.
Da reihte sich ein geographischer und ethnographischer Aufschluß
an den andern; und die Begrenztheit dieser irdischen Welt und
die Kugelgestalt der Erde erschienen nicht mehr als Hypothesen,
sondern als anschaulich gewordene Wahrheit . Und alle diese
Revolutionen, die einer noch niemals möglich gewesenen Weit⸗
sichtigkeit des geistigen Blickes zudrängten, wurden schließlich

S. dazu oben S. 11ff.