Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 131
Bekämpfung des astrologischen Wunderglaubens den großen
vorkoppernikanischen Astronomen, einem Peurbach und Regi-—
montan, den Weg, so hat der Kardinal von Kues, in seinen
exakten Forschungen nicht minder bedeutend als in seinen
mystischen Spekulationen, recht eigentlich eine Janusgestalt
zwischen Mittelalter und Neuzeit, neben wesentlichen Ver—
besserungen des Kalenders im Sinne der späteren gregorianischen
Reform vor allem schon unmittelbare Vorahnungen der kopper⸗
nikanischen Hypothese gehabt.

Allein diese Männer standen doch sehr vereinzelt; sie
schufen noch nicht aus einem sich aufzwingenden Gesamtbewußtsein
der Forschung ihrer Zeit heraus, wenn auch stärkere intellektua⸗
listische Neigungen des späteren Mittelalters in keiner Richtung
des Geisteslebens zu verkennen sind; und so drängten sie mit
ihren meist nur in unreifen Vermutungen bestehenden Ergeb⸗
nissen gegen die Pforten eines Zeitalters an, die sich noch nicht
öffneten. Erst der Individualismus des 16. Jahrhunderts,
die Freistellung des Individuums gegenüber dem endlosen
Detail des mittelalterlichen Offenbarungsglaubens und gegen—
über der Unterwerfung, die der dogmatischen Fassung dieses
Glaubens geschuldet ward, hat die neue Anschauung völlig ent—
bunden.

Aber in dem Charakter der neuen Zeit lag dann freilich
zugleich auch der Charakter des Verlaufs der neuen Studien
beschlossen, wenigstens soweit sie auf das philosophische Gebiet
führten und von diesem aus in die wissenschaftliche Praxis
hineingetrieben wurden. Die Personlichkeit des 16. bis 18. Jahr⸗
hunderts zeigte in den Zeiten ihrer vollendeten Durchbildung,
vornehmlich seit der Wende des 16. Jahrhunderts, den Typ
des Isolierten, für sich Stehenden, in sich Genügsamen: sie
war eine abgeschlossene Welt im kleinen. Es versteht sich,
daß diese Auffassung ihres Wesens nun auch an den Makro⸗
kosmos herangebracht wurde: ohne daß darüber weiter ein
Wort verloren wurde, erschien diesen Zeiten die große Welt
als eine Einheit geschlossenen Charakters, als ein Kunstwerk
des Schöpfers. Das war die Voraussetzung der pandyna—

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