150 — Siebzehntes Buch. Drittes LKapitel.
das größte Interesse daran, die alte Wissenschaft zu erhalten,
so mußten sie auch Sorge für Einrichtungen tragen, welche diese
Erhaltung verbürgten. Diesem Zusammenhang verdankten die
protestantisch-humanistische Mittel- und Hochschule und das
jesuitische Kollegium wie die jesuitische Universität ihre Ent⸗
wicklung.

Allein diese gewaltigen Einrichtungen konfessionell-humanisti⸗
schen Charakters konnten nicht bestehen ohne eine hinter ihnen
treibende, sich in ihnen auswirkende Wissenschaft des Altertums:
eine klaffische Philologie mußte erblühen; und in der Tat ist
sie in merkwürdigen Wandlungen, langsam bloßem Enthusiasmus
entsagend, eintauchend in das Meer rein gelehrter Forschung,
gelegentlich noch immer heidnischer Anwandlungen voll und
dennoch schließlich christlicher Frömmigkeit zugewandt, aus dem
alten Humanismus hervorgegangen.

Gymnasium und Jesuitenkolleg, Universität, klassische Philo⸗
logie, das sind mithin die sehr verwandelten Instrumente ge—
wesen, durch die der Humanismus des frühen 16. Jahrhunderts
fortwirkte, bis ihm und seinen schließlich zu reinem Werkeltags⸗
tum und schematischer Gelehrsamkeit abgeblaßten Einflüssen seit
den letzten Jahrzehnten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
eine neue, nun wiederum aus dem eigensten Geiste der Zeit
heraus geborene Renaissance vornehmlich des Griechentums folgte.

2. Die ersten Anregungen, das zerfallende Schulwesen der
zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts wiederherzustellen, sind von
Luther ausgegangen; der Schöpfer des protestantischen Gym⸗
aasiums und der protestantischen Universität war Melanchthon:
er hat die Kompendien und Lehrbücher für beide verfaßt, er hat
ihren Lehrerstand erzogen, und er hat sie zeit seines Lebens
geistig geleitet. Zunächst gilt dies natürlich für die Universität
Wittenberg; sie ist von ihm im Verein mit Luther unter dem
Schutze der Landesgewalt anfangs der dreißiger Jahre des
16. Jahrhunderts wiederaufgerichtet worden, und er hat ihre
Ordnungen verfaßt.