Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 153
kenntnis ein für allemal bei den Alten beschlossen —, sondern
nur auf eine möglichst klare Fassung und einen möglichst ele—
ganten Vortrag der Überlieferung. Die Bildung trug daher
ganz den epideiktischen Charakter des alten rhetorischen Unter—
richts; und ihre Vollendung wurde in Schulakten und drama—
tischen Aufführungen vorgezeigt. Daher die Bedeutung der
Schulkomödie, für die schon früh ein Reuchlin, Locher, Bebel
geschaffen haben; später wurde neben dem Gebrauche weit—
verbreiteter Sammlungen und anerkannter neuer Dichtungen, wie
des Terentius Christianus des Haarlemer Rektors Schöngeus,
verlangt, daß jeder Schulmeister sogar selbst Dramen dichten
und die Prunkvorträge der Schule für die feierlichen Schul—
akte verfassen könne.

Eine solche Form des Unterrichts war natürlich zunächst
an keinerlei Konfession gebunden. Sie kehrt daher in den
protestantischen Gymnasien wie in den katholischen Jesuiten—
kollegien in ganz verwandter Weise wieder. Nur daß die Be—
wegung auf katholischer Seite etwas später einsetzt und etwas
länger, bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, wenn
nicht darüber hinaus, auch in den bedeutendsten Anstalten
fortwährt.

Ihren Ausgang nimmt die Begründung deutscher Jesuiten⸗
kolleglen und Jesuitenuniversitäten von der Errichtung des
Collegium germanicum zu Rom im Jahre 15521; wesentlich
war für ihre Anfänge auch ein Beschluß der dreiundzwanzigsten
Sitzung des Tridentiner Konzils vom Jahre 1563, der den
Bischöfen die Begründung von Klerikalseminaren vorschrieb.
Die erste Pflanzstätte der neuen Einrichtungen in Deutschland
aber war Bayern. Hier gelangte seit dem Jahre 1549 zu—
nächst die philosophische Fakultät der Universität Ingolstadt
langsam in die Hände der Jesuiten, unter denen der Nieder—
länder Canisius (1521 1597), der eigentliche Begründer des
jesuitischen Unterrichts in Deutschland, wirkte. Dem folgte
dann im Jahre 1559 das Münchener Jesuitenkollegium, und

Vgl. Bd. V, 2, S. 651, überhaupt S. 646 ff.