Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 157
Neues; denn er war, im inneren Deutschland wenigstens,
zugleich mit einem Zusammenschrumpfen auch der gelehrten
Ziele verbunden. Gewiß haben Glareanus (1488 - 1568),
Joachim Camerarius (186001574), Konrad Gesner (1516 bis
1565) und andere noch als tüchtige Lehrer gewirkt, aber den
philologischen Betrieb über das Niveau, das schon der enthusiasti⸗
sche Humanismus erreicht hatte, grundsätzlich zu heben, gelang
ihnen nicht. Und doch folgte ihnen mit den späteren Jahr⸗
zehnten des 16. Jahrhunderts und im 17. Jahrhundert eine
Zeit, in der es um die philologische Durchdringung des klassischen
Altertums im inneren Deutschland noch schlechter bestellt war.
Schon Scaliger konnte äußern: „Felveéti et Germani habuerunt
magnos viros, Meélancthonem, Glareanum, Oamerarium,
Gesnerum, sed praecipue Vadianum et Agricolam; hodie
valde fatui sunt et indocti.“ Nun ging gewiß trotzdem die
philologische Gelehrsamkeit nicht ganz zugrunde; namentlich in
Schwaben und am Oberrhein, in Tübingen, in Straßburg
und Heidelberg währte sie noch fort, und ein anderes Zentrum
bildete sich an der Nordsee, vornehmlich in Hamburg. Aber
statt der Durchdringung des philologischen Stoffes ging man
doch überall in seinem bloßen Anhäufen auf, bis gegen Ende
des 17. Jahrhunderts gar die reine Liebhaberei an Kuriositäten
einsetzte; und tüchtige Kräfte, wie Holstenius und Lambecius,
taten den Schritt Winckelmanns zuvor, wanderten nach Italien
aus und wurden Konvertiten. Erst die erste Hälfte des 18. Jahr⸗
hunderts hat dann im inneren Deutschland wieder einen neuen
Aufschwung der Philologie erlebt, und nun von ganz anderer
Stätte, von Sachsen aus und unter gängzlich veränderten Be⸗
dingungen?.

Inzwischen aber waren die nördlichen Niederlande, wie für
so viele, ja fast alle wichtigen Seiten des geistigen und
künstlerischen Lebens dieser Zeit, die geistigen Träger der deutschen

Scaligerana ed. Leidens. 1668 s8. 3. Alemans.
a S. darüber die einschlagende Darstellung in der ersten Hälfte des
VII. Bandes.