100 Seeehntes Buch. Drites kapie.
Kategorien zum Ordnen der Welt der Erscheinungen, sondern
Analogien zu dieser selbst in dem Sinne, daß der Welt—
zusammenhang nach mathematischer Analogie beweisbar er⸗
schien. Die mathematische Methode hatte also bei ihm eine
ühnliche, nur um vieles freier durchgeführte Aufgabe wie bei
Roger Baco“!: und die Metaphysik konnte ihm, wegen ihrer
Analogien zur speziellen mathematischen Wissenschaft, als
mathesis universalis erscheinen.

Wurde nun aber die mathematische Methode in diesem
Sinne angewandt, so kam alles darauf an, in der Totalität
des Bestehenden eine Analogie zu den mathematischen Axiomen
uind deren Grundprinzip der Größe zu finden. Nun waren
diese Axiome und ihr Prinzip offenbar in der Art aufgefunden
worden, daß man verwickeltere Raumanschauungen und Zahlen⸗
verhältnisse aufgelöst und so lange reduziert hatte, bis aus ihnen
die Axiome — und aus den Axiomen wieder das Prinzip —
als unmittelbar gewisse Erkenntnissätze heraussprangen. Dies
Verfahren war also ins Allgemeine, Philosophische zu über—
tragen. Indem Descartes es so anwandte, indem er in der
Welt überhaupt das unmittelbar Gewisse suchte, fand er schließ—
lich nichts unreduzierbarer, mithin gewisser als das Selbst⸗
bewußtsein. Zerfaserte er aber wieder dies Selbstbewußtsein,
so konnte es nur gemäß der Psychologie seiner Zeit geschehen:
und dann ergab sich neben den in der Tiefe des Selbstbewußt⸗
seins sich drängenden, verworrenen Bewegungen des Triebes
ind der Empfindung als Dominante die verstandesmäßige Er⸗
kenntniskraft, das lumen naturale, die natürliche Vernunft:
bewußtes Sein war mithin Denken; und unmittelbar ging aus
der philosophischen Retorte der intellektuelle Individualismus
des Zeitalters als treibende Kraft hervor. So wurde ver—⸗
standesmäßiges Selbstbewußtsein zum Prinzip und der Satz
eogito ergo sum zum ersten Satze der neuen Philosophie.
Und nun kam es nur darauf an, vermöge der mathematischen
Analogie von der Gewißheit des Denkens aus die Welt philo⸗

1 S,. oben S. 134.