Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamis mus u. Naturalismus. 191
sophierend nachzuschaffen, ja zu verbessern. Wahrhaft wirklich
erschien da nur das, was der Verstand klar und deutlich er⸗
fassen zu können schien: denn von dem Klaren und Deutlichen
allein haben wir jene Evidenz, wovon richtiges Zählen und
Rechnen begleitet ist; von ihm also allein schien man sagen
zu können, es sei vernünftig. Alles dagegen, was von dem
Denken nicht klar und deutlich bewältigt wird, gehörte einer
niedrigeren, sinnlichen Erfahrung an, deren Zusammenhang
unter Umständen nach den Forderungen der Vernunft zu ver⸗
bessern war.

Freilich: was war nun klar und deutlich? Für die Be—
antwortung dieser Frage war Descartes natürlich ganz an
Wissen und Bewußtsein seiner Zeit gebunden. Und da lautete
die Antwort, wie sie unser Philosoph nach längeren Unter—
suchungen formulierte, dahin: Klar und deutlich erkennbar seien
die großen Gegenpole alles Seienden, welche die Reformation
schon, wenn auch in den Formen des Offenbarungsglaubens,
herausgeschält hatte, Gott und Individuum — zusammen das
geistige Element des Seins. Unklar und verworren dagegen
sei die Welt der Erscheinungen, die Materie. Und darum
stehe der Geist über der Materie.

Wie aber finden wir Menschen uns nun als Geister, bei
unserer Gegensätzlichkeit zur Materie, gleichwohl in der Ver—
worrenheit dieser, in diesen wogenden Summationen physika⸗
lischer Bewegung zurecht? Gehen die Vorgänge der Er—
scheinungswelt augenscheinlich ihrem Verlaufe entsprechend in
unsere Vorstellungen ein, so kann das nur dadurch möglich
sein, daß von Anbeginn für einen dem Verlauf der Dinge
entsprechenden Verlauf unserer Vorstellungen gesorgt ist. Dabei
ist uns dieser, so folgert Descartes, durch Gott gesetzt, und
zwar in der Art, daß uns die wesentlichen Begriffe zum Ver⸗
fländnis der Welt auf göttlichen Anlaß angeboren sind: wir
tragen als Individuen gleichsam einen Auszug der Welt von
vornherein in uns. Eben weil dies der Fall ist, können wir
denn auch durch bloße Anwendung unserer Verstandesgaben

vom Hebelpunkte des Klaren und Deutlichen aus nach Analogie