194 J Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel.
finden, daß Bergung der ganzen Persönlichkeit in Gott Gottes-
erkenntnis und daß Gotteserkenntnis Ruhe bedeutet und Frieden
und Seligkeit.

Während aber diese mehr vereinzelt und ohne volles System
entwickelten Anschauungen, Kompromißansichten zwischen Pan—
dynamismus und Rationalismus, an den niederländischen Uni—
versitäten zahlreiche Anhänger fanden, sehr zum Verdruß der
protestantischen Orthodoxie, war aus den eigenartigsten Ver⸗
hältnissen der Denker erstanden, der auf lange hin zum letzten
Male in großgearteten Formen mystischen Gedankengrund und
frührationale Methode mathematischer Analogieschlüsse in einer
vollendeten Weltanschauung vereinigte: Spinoza.

Noch zu Karls V. und Philipps II. Zeiten hatte es in
den Niederlanden keine Juden gegeben; erst nach 1572 fanden
sich in Amsterdam und Rotterdam und später im Haag be—
scheidene Kolonien ein, durchweg wohl spanischer Herkunft.
Aber in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts genossen sie
in Amsterdam schon Ansehen. Zwar wohnten sie in einem be⸗
sonderen Quartier, der Jodebreetstraat, aber dies Ghetto um⸗
faßte dreihundert stattliche Häuser und war nicht abgesperrt,
und 1657 wurden seine Insassen, wie die nordniederländischen
Juden überhaupt, von den Generalstaaten zu niederländischen
Bürgern erklärt. Unter diesen für jene Zeit ausnahmsweise
günstigen Lebensbedingungen hatte sich ein behäbiger Wohl⸗
stand entwickelt und wissenschaftliche Bildung war empor⸗
geblüht und hatte Fühlung mit den Studien der Christen ge⸗
fucht: Manasse Ben-Israel hat seine Erklärung einiger alt—
testamentlicher Prophezeiungen über das tausendjährige Reich
dem Isaak Vossius widmen können. Und auch die Kunst fehlte
nicht; Rembrandt, dessen Haus am Eingange der Jodebreet⸗
straat stand, hat zu dem angeführten Werke Manasses vier
Radierungen geschaffen und diesen selbst porträtiert, — ganz ab—
gesehen von dem objektiven Interesse, das das fremde Volk
Dichtern wie Vondel und Malern wie Rembrandt einflößte.
Und so mag man wohl verstehen, wie jüdische Gelehrte Amster—
dam als ein neues Jerusalem priesen, und wie von der kräftigen