Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 197
— der einzigen ihm unmittelbar und
intuitiv gewissen Tatsache des pantheistischen Gottesbewußtseins
aus und suchte von ihr her Welt und Mensch zu begreifen.
Die Frage, in welchen Vorstellungen erkenntnisvolle Liebe zu
einem alleinen Gott die Welt und sich verstehen könne, wurde
zum Grundthema seines Denkens.

Während er aber an diesem Ausgangspunkte mit der Hebel⸗
kraft eines überaus scharfen Verstandes ansetzte, sah er sich
dabei doch auf dieselbe Methode mathematischer Analogieschlüsse
verwiesen, der auch Descartes gefolgt war. Nach mathe⸗
matischer Analogie die Welt deduktiv aus dem Gottesbewußt⸗
sein abzuleiten, so wie Descartes nach derselben Analogie sie
aus dem Selbftbewußtsein begriffen zu haben schien: das war
die Aufgabe, der sich Spinoza trotz glühenden Herzens unter
Anwendung eines beinah grausam kalten Rigorismus in der
Formulierung mathematischer Beweise unterzogen hat.

Spinoza, dem die Gottheit das All ist, schaut diese an
nach Analogie des mathematischen Raumes. Wie die Geometrie
nicht denkbar ist ohne den Raum, so die Welt nicht ohne das
Alleine; dieses trägt alle Existenzen in sich; sie sind nicht ohne
dasselbe, wie geometrische Figuren und Gesetze nicht sind ohne
den Raum. Wie der Raum aber, obgleich in sich leer und
öde, bestimmte Attribute hat in den Dimensionen, so hat die
alleine Gottessubstanz ebenfalls Attribute. Ja sie muß als
Absolutes deren unzählige haben. Allein wir Sterbliche — das

ist Spinozas grundsätzliche und anfängliche Lehre — erkennen
deren nur zwei: die Ausdehnung und das Denken.

Das ist die Stelle, an der Spinozas Lehre, nun auch im
einzelnen, wiederum in dem Bewußtsein, in der empirischen
Pfuchologie des Zeitalters verankert ist. Warum erkennt er
als eines der Allribute nicht auch den Trieb? Mit Des—
cartes geht ihm der Trieb, soweit er beachtenswert ist, in
vernünftiges Wollen auf; man —VD000—
rationalistischen Denkens.

Denken und Ausdehnung als Attribute aber wirken sich
nun in den allgemeinen Kateqgorien der Körper und Geister