Die darstellenden und die bildenden Künste. 215
wohl der erste gewesen, der, angeregt durch Konrad Celtes,
gegen Schluß des 15. Jahrhunderts solche Kompositionen schuf;
ihm folgten Ludwig Senfl, Benedikt Ducis und andere.

Etwas anders und schließlich viel erfolgreicher verlief aber
diese Entwicklung in Italien, wo sie von der kontrapunktisch
besonders hoch entwickelten venetianischen Schule Willaerts ge⸗
tragen ward. Auch hier kam man zur liedartigen Komposition,
aber man ging damit auf fünfstimmigen Satz aus, und man
harmonisierte nicht, sondern kontrapunktierte, doch so einfach,
daß sich die Komposition in Rhythmik und Tonausdruck gleich⸗
wohl dem Inhalte des Textes anschmiegen konnte. So ent⸗
stand das Madrigal, eine Liedform, die durch die weitere Ent⸗
wicklung der Chromatik bald noch freier umgeschaffen wurde
und so dem geistreichen Ausdruck jeglichen Empfindens bis zu
dem Grade gerecht ward, daß sich noch das 17. Jahrhundert
ihrer mit Vorliebe bedient hat.

Das Modrigal drang früh nach Deutschland und über—
holte hier die harmonisierten Liedformen der Frührenaissance
an Beliebtheit. Schon die späteren Niederländer, die, wie die
gleichzeitigen niederländischen Maler, gern zwischen deutscher
und italienischer Empfindung und Formenwelt vermittelten,
haben zahlreiche Madrigale komponiert so Thomas Crequillon,
der Kapellmeister Karls V., dann Giaches de Waert und
Hubert Waelrant in Antwerpen. Der große Meister dieser
Richtung aber war Roland de Lassus (Orlando di Lasso) aus
Bergen im Hennegau, der 1530 geboren ist, 1544 in die Dienste
Ferdinands J. Gonzaga trat und Ende 1556 zunächst als ein—

— als Kapellmeister am bayerischen
Hofe wirkte, als welcher er am 14. Juni 15094 gestorben ist.
Herb und erhaben, keck und humorvoll, gleich groß in geist⸗
uͤcher wie weltlicher Musik, durch die starke Liebe des bayerischen
Hofes zur Musik machtvoll gefördert, hat er namentlich in der
Individualisierung des Tonausdruckes durch vermehrte chroma⸗
lische Stimmführung Großes geleistet. —

Verlief so die Entwicklung des kunstmäßigen weltlichen
Liedes aus anfänglicher Harmonisierung in eine gemäßigte