Die darstellenden und die bildenden Künste. 219
kalischer Stimmungen. Und sie führten schließlich zur Entfaltung
einerseits der ältesten Symphonie und anderseits des Arioso
und des Rezitativs.

Wie diese Wörter schon dartun, vollzog sich der neue Vor—
gang zum großen Teile zunächst in Italien, das seit den Tagen
Palestrinas, ausgehend von der frühen und verständigen Klärung
des Wusts der spaätmittelalterlichen Mensuralmusik, auf lange
Zeit zum führenden Lande westeuropäischer Musik geworden
war; seit etwa 1560 sind dann Einwirkungen der italienischen
Musik in Deutschland überaus mächtig, und so wenig sie den
eingeborenen musikalischen Sinn unseres Volkes erstickt haben,
so haben sie ihn doch längere Zeit hindurch so gegängelt, daß
ein Verständnis der einheimischen Entwicklung ohne Kenntnis
wenigstens der Grundlage der italienischen unmöglich ist.

Freilich der Gebrauch musikalischer Tonwerkzeuge ist natür—

lich auch unter Deutschen uralt und schon für vorgeschichtliche
Zeiten bezeugt. Und uberschlagen wir von diesen Anfängen,
Jus denen wir über die Art der Benützung der Instrumente
wenig Lehrreiches wissen, einige Jahrtausende, so finden wir
seit etwa der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts diejenigen
Anfänge der Anwendung, von denen her eine erkennbare Ent⸗
wicklung auch in Deutschland unmittelbar bis zur Gegenwart
hinüberführt. Damals nämlich erwuchsen aus den Fahrenden
heraus unsere ersten Stadtpfeifereien: aus drei bis vier Pfeifern,
dazu ein paar Trompetern bestehend, hatten sie an Festtagen
und deren Vorabenden, auch wohl zum Markttag in den Städten
oͤffentlich vom Turme zu spielen. Es ist eine Sitte, die sich
manchen Ortes bis heute erhalten hat. Aus den Stadt⸗
pfeifereien aber sind die Stadtmusiken erwachsen, und auf diese
gehen wieder so wichtige deutsche Stadtorchester der Gegen⸗
wart, wie die von Leipzig, Köln und Düsseldorf wenigstens
mittelbar zurück.

Waren damit bürgerliche Anfänge der Instrumentalmusik
vorhanden oder wenigstens möglich, so traten daneben schon
früh fürstliche Orchester, zumal als die alten Liedermeister an
den Höfen, wie es noch Heinrich von Mügeln im 14., Michel