Die darstellenden und die bildenden Künste. 227
Dramma per musica, für das seit dem 17. Jahrhundert so
große Meister wie Claudio Monteverdi und Cavalli, in der
zweiten Hälfte des Jahrhunderts auch noch Scarlatti schufen,
in Deutschland Anklang fand: im Jahre 1627 ist gelegentlich
einer Vermählungsfeier am kursächsischen Hofe zu Torgau die
erste Oper, die , Daphne“ des Rinuccini, von Opitz ins Deutsche
übersetzt und von Schütz komponiert, auf deutschem Boden zur
Aufführung gelangt.

Gleichwohl verbreitete sich das Dramma per musica an
den deutschen Höfen weniger, als man hätte erwarten sollen;
die Kosten der mittlerweile zu stärkstem theatralischen Aufwande
entwickelten und mit Ballett ausgestatteten Aufführungen waren
zu groß, und das Elend des langen Krieges hatte die Freude
an feinerem künstlerischen Genusse ertötet. So waren es denn
der Hauptsache nach nur die großen Höfe von Wien, München
und Dresden, die nach dem Kriege ziemlich ständig italienische
Opern hielten; soweit aber die Oper deutsch ward, fand sie
ihre Stätte nicht so sehr an Fürstenhöfen wie in dem mächtig
emporstrebenden Amsterdam und im Schoße der einzigen damals
in Binnendeutschland noch reichen und entwicklungsfreudigen
Stadt, hinter den Wällen Hamburgs.

Unter diesen Umständen gelangten die neuen Errungen—
schaften der italienischen Musik, wie sie durch die Lehrjahre
fast aller besseren deutschen Komponisten dieser Zeit unter
italienischen Meistern nicht minder nach Deutschland getragen
wurden wie durch das Bedürfnis eines inneren Fortschrittes
der deutschen Musik in italienischer Richtung, bei uns nicht in
der Form des Dramma per musica zur Geltung, sondern in
einer bei weitem mehr nationalen Form, in der Fortentwicklung
der protestantischen Kirchenmusik. Hier, im Bereiche des wesent—
lichsien Empfindungskomplexes des deutschen Volksgeistes auch
noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, des religiösen,
sind Beseelung der Einzelstimme und Charakterisierungskraft
der Instrumentalmusik bei uns emporgeblüht.

Der große Meister dieser neuen Kunst aber war Heinrich
Schütz, zu Köstritz im Vogtlande am 8. Oktober 1585 geboren,

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