Die darstellenden und die bildenden Künste. 237
fassung aufs Komische und Burleske; bei beiden findet sich der⸗
selbe verstandesmäßige, lehrhafte Zug; in beiden nähert sich die
gegenseitige Formgebung bis fast zum Verwischen der Grenzen:
denn der Schwank kann eine Neigung zum Dramatischen haben,
die unmittelbar in die Dialogisierung hineinführt; und das
Drama läßt fast noch niemals die älteren epischen Elemente
vermissen. Sind so die gemeinsamen Wurzeln beider Kunst⸗
formen ebensowenig zu verkennen wie ihr übereinstimmendes
Ziel, das Streben nach schärferer Charakteristik, so liegt es
doch in der Natur der Sache, daß sie, äußerlich immerhin ge—
trennt, verschiedene Schickfale gehabt haben: der Schwank, eine
Kunstform, die sich schließlich mit geringerer Tiefe der Cha—
rakteristik begnügt, fand im 16. Jahrhundert seine Vollendung,
das Drama erreichte kaum eine erste Stufe künftiger Blüte.

Ausgegangen ist die Schwankliteratur, so wie sie uns in
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in kurzen, pointierten
Erzählungen verschiedenartigsten Inhalts entgegentritt, vor⸗
nehmlich vom Klerus; die Wundergespräche des frommen Kölner
Patriziersohnes der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und
Novizenmeisters des Klosters Heisterbach im Siebengebirge,
Caesarius, können als die erste große lateinische Schwank⸗
sammlung von freilich ganz bestimmter geistlicher Tendenz
gelten. Aus dem Munde des Klerus drangen die Geschichten
dann in die Predigt, teils als Parabel, teils ganz einfach als
Unterhaltungsmaterial; auf diesem Gebiete erhielten sie sich
durch alle Leistungen der großen mittelalterlichen Volksprediger
hindurch bis auf Geiler von Kaisersberg ( 1510), den ge—
waltigen Straßburger Kanzelredner, ja darüber hinaus bis auf
den schwäbisch derben Wiener Prediger Abraham a Sancta
Clara (f 1709), diesen wunderlichen, im Grunde doch recht
ernsten Geist des 16. Jahrhunderts im siebzehnten.

Aber inzwischen hatte das 16. Jahrhundert die Schätze
der Überlieferung zu sichten und zu säubern begonnen. An
der Spitze einer dahin gerichteten Tätigkeit steht, ein später
Nachfolger des Caesarius, der elsässische Franziskanerbruder
Johannes Pauli mit einer Sammlung, die er im Jahre 1519