242 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
um auf diesem Felde Großes zu leisten: der leider verhältnis⸗
mäßig früh gestorbene Fischart. Es ist bezeichnend für ihn,
daß er „Gargantua und Pantagruel“ (1578) bearbeitet hat, und
daß dies Werk sein umfangreichstes und in gewissem Sinne
bedeutendstes geblieben ist: innerlichst war er Rabelais ver⸗
wandt.

Das geschlossenste Werk Fischarts auf dem Gebiete des
Grotesken blieb wohl seine Flohhatz, eine der früheren Arbeiten
des um die Mitte des Jahrhunderts geborenen Dichters. Die
Fabel ist hier so dürftig wie nur möglich; es handelt sich um
eine Klage der Flöhe gegen die Verfolgung durch die Weiber
und deren Verautwortung vor Jupiter. Würde sie nicht fort⸗
während durch Episoden unterbrochen, so hätte die böse Ge—
schichte gut und gern in kaum einem Zehntel der über vier—
tausend Verse abgemacht werden können, die sie umfaßt.
Aber die geschlossene Komposition ist überhaupt nicht Fischarts
Sache; aller Nachdruck liegt bei ihm auf der munteren und
uͤbertreibenden Ausmalung des Episodischen. Und hier ist er
denn allerdings unerschöpflich. Bald kühlsinnig“, bald „kühn—
finnig“ verfahrend, weiß er im hurtigen Fluß der Verse zu
spannen, ja fortzureißen, und sieht man im einzelnen zu, so
findet man doch jeden Deut des Gesagten phantasievoll durch⸗
lebt und glücklich vorgestellt. Die Form aber ist von einer so
außerordentlichen Beweglichkeit der Sprache und Unerschöpflich⸗
keit der Reime bei tadelloser Reinheit, ja Glätte des Stils,
daß der Dichter in dieser Hinsicht auch unter seinen Zeit⸗
genossen im weiteren Sinne unerreicht bleibt. Das ist Rückertsche
Versatilität, wenn Fischart das Ergebnis der Flohjagd bei
einigen Frauen mit den Worten schildert:

„Was ist das für ein Jucken, Rücken,
Für Drücken, fangt ihr an zu zwicken!
Was ist das für ein Knacken, Packen,
Welch Hacken, wenn ihr sie tut zwacken!“
Hier kommt zur Reimfertigkeit jene unerschöpfliche Wort⸗
phantasie, der der Dichter gelegentlich einer späteren Be—
Abeitung des Gedichtes in der Erfindung von Namen für die