Die darstellenden und die bildenden LKünste. 243
einzelnen Flöhe den ungebundensten Lauf gelassen hat. Über
dem Ganzen aber liegt, das ständige Erbteil Fischarts, ein
goldner Humor; und fort und fort spielt die Erzählung mit
den tiefen Gedanken einer abgeklärten Weltanschauung.

Was hätte Fischart der Nation in frohen, aufstrebenden
Zeiten werden können! In der zweiten Hälfte des 16. Jahr—
hunderts überwog bei ihm, mit dem allmählich steigenden
Pessimismus der öffentlichen Meinung, der Zug zur Satire.
So schloß er sich den Satirikern des 15. Jahrhunderts und
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an und ist damit noch
immer der wohl größte Satiriker unseres Volkes geworden.
Da trifft die Sprache des Dichters bald mild und fast tändelnd,
bald streng und klatschend; neckische Töne wechseln mit rauhem
Hohn; und das unglaublich schöpferische Sprachvermögen, das
die Zyklopen der antiken Mythologie in groteske Säuklopse
verwandelt, macht aus den Jesuiten der Gegenwart verbissene
Jesuwider.

Als Protestant und echter Deutscher von „angeerbtem
Adlersgemüt“ trat Fischart in die Satire ein; seine Pritsche
galt dem Katholizismus und dem beginnenden Einfluß der
Fremde. Als Protestant hat er des Ritters von St. Adel⸗
gonde furchtbare Geusensatire, den Bijekorf der roomeschen
Kerke, in freier Bearbeitung dem Hochdeutschen zugänglich ge—
macht, wie er denn mit französischem und niederländischem
Caloinismus in enger Verbindung stand; als Protestant hat
er das Jesuitenhütlein geschrieben, das aus den vier Hörnern
des Jesuitenbaretts alle Übel der Welt ableitet. Aber er war
auch positiv als Protestant; wir haben von ihm Kirchenlieder
voll frommen Tiefsinns.

Noch mehr als auf kirchlichem Gebiete aber tritt die
positive Seite des Dichters in seinem Patriotismus hervor.
Gewiß verfolgt er auch hier nationale Narreteien vor allem
kritisch. Aller Praktik Großmutter verspottet das blöde Astro⸗
logentum, der Catalogus catalogorum die pedantische Bücher⸗
wan der damals modernen Vielwisser: aber daneben preist das
Ehezuchtsbüchlein positiv die Innigkeit des deutschen Familien—

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