Die darstellenden und die bildenden Künste. 245
humanistischen Schulen bei ihren rhetorisch-repräsentativen
Unterrichtszielen leicht auf den Gedanken geraten, Stucke des
Plautus oder noch lieber des besser zugänglichen Terenz auf⸗
zuführen. Es war eine Neigung, die auch durch die Refor—
mation nicht unterbunden ward: Luther selbst war ein Freund
ernsten Schauspiels.

gur Wiederbelebung der antiken Stücke aber kam bald
eine eigene Produktion. Ziemlich gleichzeitig trat sie auf der
ganzen Linie der vom Humanismus beeinflußten Völker ein;
im inneren Deutschland bot sie, neben gewissen Einwirkungen
des lateinischen Dialogs auf die Erörterungs- und Agitations—
literatur des 16. Jahrhunderts, fast den einzigen Punkt dar,
von dem aus die Antike unmittelbar und tiefer die Formen
der deutschen Dichtung schien beeinflussen zu können.

Im 186. Jahrhundert gestaltete sich dieser Literaturzweig
ziemlich rege aus; nach den Anfängen des 15. Jahrhunderts,
dem Stylpho Wimphelings, dem übrigens einer französischen
Farce nachgedichteten Hermo Reuchlins trat eine Scheidung
ein in Schulkomödie und Drama sacrum. Befestigt wurde
diese Spaltung durch die Reformation, die zugleich mehr als
bisher polemische und satirische Elemente einführte. Diesen
Elementen wurden vor allem die Tendenzdramen des Thomas
Naogeorg in Straubing und seiner Schüler gerecht, so der
Pammachius von 1538 und die Incendia von 1541, während
die tendenzlosere Form des Drama sacrum zuerst von Sirt
Birck zu Augsburg gepflegt wurde. Inzwischen aber hatte ver⸗
mehrter Wetteifer auf diesem Gebiete wie der Eintritt der
dramatischen Bestrebungen der Jesuitenschulen, die vor allem
auf beste Wiedergabe der antiken Originale ausgingen, eine
wesentliche Hebung der Kunstform zur Folge gehabt. Man
ging jetzt den antiken Kunstregeln sorgsamer nach; nicht bloß
in Deutschland, auch sonst auf humanistischem Gebiete suchte
man sie, freilich so äußerlich, wie man sie/eben verstand, zu
beobachten; und die in diesem Sinne besonders schulgerechten
biblischen Dramen des Schotten Buchanan, die sich seit etwa
1570 in Deutschland verbreiteten, trugen noch zur Verstärkung