256 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
hören in dieser Periode schon alle wesentlichen Probleme des
Fortschritts an. Nirgends aber blühte es mehr empor als in
Amsterdam; denn hier fand sich allmählich in jedem Betrachte
ein, was an äußeren Voraussetzungen dramatischer Blüte sonst
keine Stadt germanischen Wesens darbot: stärkstes öffentliches
Leben, hauptstädtisches Publikum von einheitlich bewegtem
Dasein, Reichtum, künstlerisches Interesse. Es ist in dieser
Hinsicht bezeichnend, wie rasch und in welch andauerndem Auf⸗
schwung sich Amsterdam eine ständige Bühne erwarb und
sicherte; an Stelle des primitiven Vorstellungsraumes der nun⸗
mehr verfallenden Kamer van Rhetorika trat bereits 1617 der
Buhnenbau einer von Coster gestifteten literarischen Akademie;
dessen Stelle wurde darauf schon 1637 durch die Sehouwburg
des Ouden Mannenhuises eingenommen, und an dessen Platz
trat wiederum bereits 1664 jenes große Amsterdamer Theater,
das erst 1772 durch einen Brand vernichtet worden ist.

Hooft war der erste Dichter, der ganz, soweit er es ver⸗
mochte, den dramatischen Idealen der Alten nachstrebte; nach
einigen andersgearteten Jugendwerken zeigte schon sein Drama
Theseus und Ariadne, kurz nach einer italienischen Reise ge⸗—
schrieben, den Übergang; vollends den Sinn der Antike glaubte
er in dem Gheeraardt van Velzen (1613) und in dem Baeto
(1615) getroffen zu haben. Später wandte er sich dann mehr
der Geschichtschreibung zu — seine Niederländischen Historien
sind 1642 erschienen —, und an seine Stelle trat, ihn weit
üͤberstrahlend, der Held der großen holländischen Renaissance—
dichtung des Dramas, der größte Dichter der Niederlande über⸗
haupt, Joost van den Vondel (1587-1679).

Vondel war zunächst ein überaus bedeutendes lyrisches
Talent; von inniger Natur, die namentlich nach seinem Über⸗
tritt zum Katholizismus (1639) ins Mystische zu spielen be⸗
gann, dabei dennoch, besonders in politischer und kirchlicher
Satire, nicht ohne beißende Schärfe, hat er die Liebe mit
gleichem Glück besungen wie die stillen Freuden der Heimats⸗
natur; und auch wo es den Ruhm des Vaterlandes zu künden
galt, vor allem in seinen herrlichen Admiralsgedichten, wußte