Die darstellenden und die bildenden Künste. 261
vornehmlich die ornamentalen Bestandteile dieser Kunst im
Beiwerk der Gemälde und Kupferstiche auf; Maler wie Hans
Burgkmair in Augsburg, bei dem sich schon im Jahre 1501
Spuren der Renaissance fanden, dann Holbein und in gewissem
Sinne auch Dürer, in den Niederlanden Gossaert mit seinen
idealen Tempelhallen und Lukas von Leiden mit seinen
Ornamentstichen (erst 1327 und 1528) konnten als erste Ver⸗
breiter des neuen Stils gelten. Darauf folgte zunächst die
plastische Anwendung der neuen Zierformen in Werken der
Aleinarchitektur: so entstanden, abgesehen von geringeren noch
heute andauernden Spuren, der Grabstein des Erzbischofs Udo
von Mainz (1514) und der vom Kardinal von Brandenburg
im Jahre 1526 errichtete Mainzer Marktbrunnen, in den Nieder⸗
landen der große Kamin im Rathause der Brügger Freiheit
(1529) und das Tabernakel der Abtei Tongerlo.

Diese Einflüsse aber trafen — und erst dieser Umstand
gibt ihrem Auftreten große Bedeutung — allenthalben auf ein
einheimisches Kunsthandwerk, das soeben seiner größten Blüte
entgegenging.

Das mittelalterliche Gewerbe, an die Zunftverfassung ge—
bunden mit ihren anfangs und grundsätzzlich stets sozialistischen
Idealen, hatte seinen Ruhm nicht sa sehr in der quantita⸗
tiven wie in der qualitativen Höhe der Erzeugnisse gesucht:
Wettbewerb dem quantitativen Umfange der Erzeugung nach
war durch die genossenschaftliche Verfassung so viel als möglich
ausgeschlossen gewesen.

In diesem Zusammenhange lag es zunächst begründet, daß
der Zug der Produktion überhaupt die Richtung einschlug,
die man heute als speziell kunstgewerblich bezeichnet, und daß
dem Handwerk die eigentlichen Künstler erhalten blieben. Es
ist Meistern wie Dürer oder Holbein nicht eingefallen, die
Zunft zu verachten; freudig haben sie auch für das Handwerk
geschaffen im Geiste dieses Handwerks; und „ach ihnen haben
noch ganze Generationen und Gruppen von Künstlern gelebt,
die ihre Phantasie vornehmlich oder auch ganz in den Dienst
des Kunstgewerbes gestellt haben: die Schöpfer jener zahllosen