262 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Stiche von Friesen, Füllstücken, Zierbändern, Leisten, Stäben
des 16. Jahrhunderts, die beiden Beham, Heinrich Aldegrever,
Georg Pencz, Hans Brosamer, Jakob Bing und andere, etwas
später Jost Amman und Virgil Solis.

Weiterhin aber war seit dem 15. Jahrhundert noch ein
anderes Motiv sozialer Natur hinzugekommen, um die Stoff—
veredelung in kunstgewerblichem Sinne zu verstärken: nicht
wenige der Zunftbruder waren unter der glücklichen Entwick⸗
lung des deutschen Bürgertums dieser Zeit in sehr behäbige
Verhältnisse gelangt; und namentlich galt das von den be⸗
sonders dem Kunstgewerbe zuneigenden Zünften, den Gold—
und Silberschmieden, den Gelbgießern und Zinngießern, manchen⸗
orts auch von den Schreinern. So war der freudige Genuß
des Lebens, die Voraussetzung künstlerischen Schaffens, diesen
Klassen gewährleistet.

Ganz entbunden zu freiem Aufschwung aber wurde das
deutsche Kunsthandwerk doch erst im 16. Jahrhundert. Denn
jetzt erst traten die Momente vollends ins Leben, die dem ge⸗
reiften Handwerk sichere und große Kundschaft verschafften.
Die Emanzipation der Individualität gab der Einzelperson
und ihrer Umgebung eine ganz andere Bedeutung als früher:
wohin man schaute, wuchs der Kultus des eignen Ich und die
künstlerische Ausstattung seiner Umwelt. Daher die Zunahme
des Schmuckes und der Behaglichkeit des Hauses, daher die
bunte Modenwelt des Zeitalters von den ausschweifenden
Trachten der Jugendzeit eines Dürer mit ihrer Entblößung der
Brust und engen Spannung der Kleider fast über alle Körper—
teile bis zu der abgemessenen, aber nicht minder kostbaren
spanischen Tracht der Zeit der Gegenreformation, daher das
Behängen des Körpers mit Schmuck in Ketten, Ringen,
Spangen, ja die Besetzung der männlichen wie weiblichen
Tracht mit Bordüren in getriebenem Metall und Edelgestein.
Und den wachsenden Anforderungen in all diesen Richtungen
wurde ein steigender Reichtum gerecht: und dieser Reichtum
blieb auch dann noch erhalten, als das Bürgertum, der eigent⸗
liche Träger auch dieses Luxus, sich von der gewinnreichen