264 Siebzehntes Buch. Viertes LKapitel.

Hausrat war soweit als möglich in kapellen-, gerüstartiger,
wie Tische und Stühle, in pfeilerartige Bildungen verwandelt
worden. Es sind Formen, die dann vielfach noch im 16. Jahr—
hundert, ja im 17. Jahrhundert nachgewirkt haben. Wo sie
aher fielen, da war es natürlich, daß wiederum architekto⸗
nische Zierformen, nämlich jetzt die antikischen der Renaissance
ihnen nachfolgten und für sie eintraten: so an Werken der
Keramik und der Schmiedekunst und vor allem an denen der
Tischlerei. Hier also zunächst wurde wirksam, was unmittelbar
und am frühesten von antiker Architektur in Deutschland ein⸗
drang: es war ein Vorgang von wesentlicher Vorbedeutung
für die Entwicklung auch der Formenwelt der großen Architektur.

Ganz allgemein dagegen, und nicht bloß in dem halb
architektonisch schaffenden Kunstgewerbe, wurde der eigentliche
Ornamentschatz der Antike aufgenommen.

Die Autike stellte da zunächst, natürlich in italienischer
Umbildung, die altrömische Flächen- und Wanddekoration zur
Verfügung: ein seltsames Gemisch von Masken und Gestalten
der antiken Mythologie, Satyrn und Faunen, Sphinxen und
Chimären, Harpyien und anderen abenteuerlichen Tierbildungen,
dazu Werkzeuge der Jagd, des Fischfangs, der Gewerbe, der
Musik, der Toilette, Trophäen aus Waffen und Rüstungs—
stücken, Embleme, Schilder und anderes mehr. Das waren
Dinge, welche die deutsche Phantasie mit solcher Lust aufnahm,
daß sie sie alsbald weit körperhafter zu gestalten begann, als
die Alten es je getan hatten; zudem verband sie mit ihnen
Erinnerungen an die gotischen Drolerien; auch fügte sie die
raffaelisch-naturalistische Fruchtschuur hinzu. Und indem sie
nun dies weitverzweigte Allerlei mit jener nie ermüdenden
charaktervollen Phantasie erfaßte, die den Germanen eigen ist,
schuf sie das unendliche Gebiet der nordischen Groteske.

Zu all diesen Elementen kamen aber noch zwei weitere:
ein fremdes und ein einheimisches. Wohl durch italienische
Vermittlung, und vermutlich zuerst auf dem Wege des Buch—
einbands, gelangte die orientalische Arabeske, ein System von
Linien und Zügen zur Verzierung glatter Flächen, nach Deutsch—