Die darstellenden und die bildenden Lünste. 267
ein Rest einstigen Reichtums noch heute unsere Museen füllen;
fie wurde jeglichem Schmuckbedürfnis gerecht; sie rühmte sich
in dieser Zeit der Namen eines Wenzel Jamnitzer, des freudigen
Wiener Meisters in Nürnberg, der im Jahre 1588 als der
kaiserlichen Majestät Goldschmied starb, und eines Anton Eisen⸗
hoit, des Westfalen, von dessen Arbeiten ein auserlesener Schatz
im Familienbesitze der Grafen von Fürstenberg erhalten geblieben
ist. Sie hat auch mehr als irgend ein anderes Kunstgewerbe
verschiedene Richtungen neben- und nacheinander blühen sehen;
neben der gemeindeutschen die italienische der Fassung kostbarer
Halbedelsteine und die holländische, wie sie die große Utrechter
Kunstlerfamilie der Vianen entfaltet hatte.

Einflußreicher indes auf die allgemeine Entwicklung der
Kunst als alle bisher genannten Gewerbe war die Schreinerei
in ihrem weitesten Umfang. Die italienische Kultur ist der
Hauptsache nach fast eine Kultur der Metalle und der Steine;
unserem Teppich entspricht das italienische Mosaik; die Bett—
stellen der Röͤmer waren zumeist von Stein oder Bronze, und
von Eisen sind seit alters auch die des heutigen Italien.
Die deutsche Kultur dagegen ist noch jetzt und war noch viel
mehr im 16. Jahrhundert eine Holzkultur: tausend Dinge, für
die wir heute Glas oder Eisen oder ———
anwenden, wurden damals noch aus Holz gefertigt, wie etwa
noch heute im germanischen Norden, in Schweden oder Nor⸗
wegen oder selbst noch in Dänemark. So begreift es sich,
wie außerordentlich der ornamentale und hier nun auch der
gerüstliche kleinarchitektonische Formenschatz der Antike auf
diesem Gebiete einwirkte, sobald er nach Deutschland gelangt
war. Da wurden sie in unabsehbaren Massen geschaffen, diese
Sitzmöbel der verschiedensten Art, diese Tische, diese archi—
tektonisch gebildeten, feststehenden Wandmöbel, die Büffete, die
Kasten, die Stollenschränke, und neben ihnen, unter wesent⸗
licher Erweiterung des eigentlichen Kreises der antiken Ver—
wendung, die Wandverkleidungen und Schmucktüren, die bald,
wie in Norddeutschland, mehr ornamental, bald, wie im
Süden, ganz im Sinne kleiner baulicher Fassadenwerke her⸗