272 Siebzehntes Buch. vViertes Kapitel.
seines Triumphes bedurfte, wie er sie auch für Flandern nirgends
besser als in dem neuen pomphaften Stile des Barockes
fand. So kam es wenn auch nicht zu großen kirchlichen
Neubauten — dazu fehlten Bedürfnis und Mittel —, so
doch zu umfassenden Umbauten der vorhandenen, in den Bilder⸗
stürmen vielfach ihrer alten Kunstschätze und ihrer äußeren
Ausstattung beraubten Kirchen ins Barocke. Rasch fand man
dabei heraus, daß sich die romanischen Kirchen einer solchen
Restauration besonders leicht fügten: bei ihnen sind die Um—
bauten bisweilen unter Hinzufügung von Türmen und Zentral—
anlagen mit einem Radikalismus und einer Formenüppigkeit
vorgenommen worden, die kaum noch eine Erinnerung an die
Schlichtheit der ursprünglichen Anlage zurückgelassen hat. Im
Profanbau freilich hat das neue Barock, trotz aller Anstrengungen
von Rubens, wenig große Denkmäler hinterlassen. Die Be—
völkerung einer verfallenden Zeit wandte um so weniger gern
große Mittel für neue Bauten auf, als die reichen öffentlichen Ge⸗
bäude der Vergangenheit dem Bedürfnisse der Gegenwart mehr
als genügten; und die führenden Gesellschaftskreise, wenig unter⸗
nehmend und auch kaum von wachsendem Reichtum, behalfen
sich für ihre Bedürfnisse ebenfalls mit dem Erbteil der Ahnen.
So wies schließlich fast nur eine Anzahl von Zunfthäusern,
deren Errichtung durch den alten Stiftungsreichtum der Gilden
ermöglicht wurde, den ausgeprägten Typ des vlämischen Profan—
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Architektur eigentlich nur an einer Stelle, an dem herrlichen
Hauptplatze von Brüssel.

Inzwischen aber hatte sich, fast ganz aus eigenem Geiste
heraus, und abweichend von allen übrigen Vorgängen, in den
nördlichen Niederlanden die denkwürdigste Entwicklung der
Renaissancearchitektur auf deutschem Voden vollzogen.

Die nördlichen Niederlande waren, soweit sie im 17. Jahr—
hundert Träger der großen holländischen Kultur geworden sind,
im 15. Jahrhundert baulich noch verhältnismäßig wenig kulti—
viert: es ist bezeichnend, daß der Haag in diesem Jahrhundert
nur ein einziges Mal eine der glänzenden Versammlungen