278 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Kunstgewerbe, nicht aber dem Architekten und der großen Kunst
zu tun gab. Es war der Verfall der eigenständigen holländi⸗
schen Baukunst: schließlich traten Einflüsse zunächst vlamischen
Barocks, dann die Architektur Frankreichs im Zeitalter Lud—
wigs XIV. und der Regentschaft an ihre Stelle.

Vorher aber hatte diese Kunst sich noch in doppeltem
Sinne belebend gezeigt: sie war einmal nach dem inneren
Deutschland, namentlich nach dem protestantischen Norden, über—
gegangen, und sie hatte weiterhin der Bildnerei des Zeitalters
zu einer später nicht wieder erreichten Blüte verholfen.

Die holländische Kultur noch der ersten Hälfte des 16. Jahr⸗
hunderts hatte einem Bildhauer kaum lohnende Aufgaben ge—
stellt; der größte Plastiker des Landes im späteren Mittel—
alter, Claus Sluter, hatte eine seiner würdige Beschäftigung
erst außer Landes, am Hofe der burgundischen Fürsten zu
Dijon, gefunden. Dann allerdings, seit dem Aufschwung der
Baukunst, war auch eine höchst eigenartige Plastik erwachsen:
ein bisher wenig beachtetes Gegenstück zu dem Reichtum der
holländischen Malerei seit den letzten Jahrzehnten des 16. Jahr⸗
hunderts. Es war eine Genreplastik: sie gab Porträts und
Allegorien, mythologische und historische Szenen, Landschaften,
Seestücke und Stilleben; sie stellte in Portalreliefs das Leben
im Spinnhaus, im Leihhaus und in der Börse dar und ent—⸗
wickelte bei solchen Aufgaben eine ungemeine Freiheit in der
malerischen Behandlung des Reliefs. Daneben aber entzog sie
sich auch größeren Aufgaben nicht. Niemand wird ohne
Rührung das Grabdenkmal Wilhelms des Schweigers in der
Kirche zu Delft betrachten, nahe dem Orte seiner Ermordung,
mit seiner gewaltigen Fama, die den Ruhm des schmählich
Gemeuchelten der Welt verkündet, ein Werk de Keyzers, und
niemand ohne Bewunderung den lebendig aufgefaßten Erasmus
bon Rotterdam desselben Künstlers zu Rotterdam sehen, das
früheste öffentliche Denkmal Hollands.

Dieser Kunst fehlte im ganzen nur eins noch: die edle
Ruhe vollendeter Monumentalität.

Aber auch diese ward schließlich erreicht durch das Zu—