280 J Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
und unermüdlich, oder wenn das Relief über dem Eingang zur
Desolaten Boodelskamer (für Bankerottsachen und Verwandtes)
die Historie von Dädalus wiedergibt, der, weil er zu hoch
flog, zu Falle kam. Und neben dem klassischen Zuge, der die
Phantasie der Meister des Amsterdamer Rathauses kennzeichnet,
blieb dieser Bildnerei doch auf längere Zeit auch ein gutes
Teil holländischen Erdgeruchs. Ausgezeichnetes wird da nach
wie vor besonders in der Bildniskunst erreicht, und herrlich
wirken die nach dem Brauche der früheren Periode weiter⸗
geschaffenen prunkenden Grabdenkmäler, etwa das des Admirals
Tromp in der Delfter Alten Kirche von Verhulst oder das
De Ruyters im Chor der Neuen Kirche zu Amsterdam.

Aber diese zunächst südniederländische Plastik hatte sich
von vornherein und schon im 16. Jahrhundert keineswegs auf
die Niederlande beschränkt. Auch das innere Deutschland war,
seitdem der kurze Aufschwung der Frührenaissance in den
Werken der Vischer in Nürnberg, der Schwarz und Hagenauer
in Augsburg verrauscht war, von niederländischem Kunstsinn
befruchtet worden. So war das umfangreiche Grabdenkmal
Kaiser Maximilians J. in der Hofkirche zu Innsbruck mit seiner
Standbilderschar schließlich von Alexander Colin aus Mecheln
(1566) vollendet worden; Colin ist der Meister weitaus der
größten Anzahl der Marmorreliefs am Sarkophage des Kaisers,
zierlicher und feiner, virtuos gearbeiteter Werke. Und früher
schon hatte Jakob Bruck das schöne Denkmal König Friedrichs J.
von Dänemark im Dome zu Schleswig entworfen. Dem war
dann in Mitteldeutschland das gewaltige Wettiner-Grabdenkmal
im Dome zu Freiberg (1888—1594) gefolgt, das allerdings
von Italienern vollendet wurde, und niederländische Künstler
hatten sich nicht minder in Schlesien und Mecklenburg ein—
gefunden. Vor allem aber waren niederländische Plastiker seit
Ende des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland tätig; hier hat
Adriaen de Vries, nachdem er die Reiterstatue Rudolfs II. in
Prag geschaffen hatte, im Verein mit Hubert Gerhard die
prächtigen drei Bronzebrunnen Augsburgs, namentlich den
Herkulesbrunnen, hergestellt; und in München arbeitete Pieter