Die darstellenden und die bildenden Künste. 281
de Witte: von anderen Werken abgesehen rührt namentlich
das Grabdenkmal Kaiser Ludwig des Bayers in der Frauen—
kirche (1622) von ihm her.

An diese ruhmvollen Vorläufer schlossen sich nun die
Bildner an, die, von dem klassizistischen Hauche der nieder⸗
ländischen palladiesken Renaissance umfangen, ihre Tätigkeit
nach dem Norden des inneren Deutschlands und vornehmlich
nach der Mark Brandenburg verlegten. Hier, in Berlin, blühte
um 1656 Pieter Strong aus Amsterdam. Hier wurde ein
Jahrzehnt später Artus Sitte Hofbildhauer des Großen Kur⸗
fürsten. Hierher zogen Bosboom und, im letzten Lebensjahre
Friedrich Wilhelms (1687), Eggers und suchten die Dienste des⸗
selben Fürsten auf, dessen unsterbliches Monument nicht lange
nachher, auch er nicht fern den Einflüssen niederländischer Kunst,
Andreas Schlüter geschaffen hat.

Gegenüber diesen niederländischen Meistern hatte die hei⸗
mische Bildnerei des inneren Deutschlands nicht allzuviel zu
besagen. Wo der Bronzeguß noch blühte, wie namentlich an
seiner alten Stätte, in Nürnberg, da galt er doch vornehmlich
der Ausführung dekorativer Werke, wie deren in der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts aus der Hand Georg Labenwolffs
eine ganze Anzahl hervorgegangen ist. Die Steinskulptur aber
erschöpfte sich der Hauptsache nach in der Herstellung teilweis
freilich äußerst prächtiger und bisweilen auch künstlerisch hoch⸗
stehender Grabdenkmäler. Da sind vor allem die fürstlichen
Grabmonumente im Chor der Stiftskirche zu Tübingen zu
nennen und in gewissem Sinne auch die elf Standbilder fürst⸗
licher Vorfahren, die Herzog Ludwig 1574 in der Stuttgarter
Stiftskirche errichten ließ, wie denn die schwäbische Bildnerei,
schon im 15. Jahrhundert hervorragend, noch bis ins 17. Jahr⸗
hundert hinein eine reiche Nachblüte zeitigte. Und auch am

Rhein und am Maine findet sich aus der späteren Zeit der
Renaissance noch eine Anzahl trefflicher Grabdenkmäler, wie
auf dem Hunsrück die Kirche zu Simmerit eine prächtige Folge
houn Monumenten der Simmernschen Linie des pfalzaräflichen
Hauses bis zum Jahre 1598 aufweist.