284 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
wurden aber für die großen öffentlichen Bauten klare und
ständige Gewohnheiten gewonnen. Den Rathäusern blieb wohl
der Gedanke eines großen Festsaales gemeinsam, aber von einer
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Und für die Schlösser ergab sich wohl gegenüber all der Un—
regelmäßigkeit des mittelalterlichen Burgenbaues das Prinzip
eines Baues in geschlossenen Höfen mit inneren Arkadenreihen
und Spindeltreppen in den Hofecken, allein der Hauptsache
nach folgerichtig wurde es doch nur in den Gebieten der ober—
sächsischen Renaissance durchgeführt. Was hier wie sonst fehlte,
das läßt sich in den Worten „monumentaler Bausinn“ zu—
sammenfassen. Dieser Sinn, einst Eigentum des 183. und
14. Jahrhunderts, war in den virtuosen Künsteleien des 15. Jahr⸗
hunderts zugrunde gegangen: denn damals galt es als höchster
Triumph, jegliche Fläche mit jeglicher Architektur zu jeglichem
Zwecke bedecken zu können. So war man ins Dekorative ge⸗
raten: dies wurde darum aus der neuen, von Italien heran⸗
flutenden Bewegung vor allem aufgenommen, während die An⸗
eignung des inneren Wesens des neuen Stils unterblieb, da
es eben aus monumentalem Bausinn hervorgegangen war.

So war klar, daß, was an großen Bauten entstand, mit
wenigen zerstreuten Ausnahmen und im wesentlichen abgesehen
von der anders verlaufenden Bewegung in Obersachsen und
Oberfranken, seinen konstruktiven Teilen nach weniger durch
die Tiefe innerer Entwicklung als durch äußere Einflüsse be—
stimmt sein mußte.

Diese fremden Einflüsse aber, der italienische, der vlämische,
der holländische, wirkten nun nicht immer in der gleichen Weise.
Sie konnten zunächst unmittelbar, in Bauten fremder Meister
auftreten. Sie konnten aber auch durch Aneignung der fremden
Kunst seitens deutscher Schüler vermittelt sein. Dabei war
der Unterschied freilich nicht ganz so groß, wie dies auf den
ersten Augenblick scheinen möchte. Die fremden Künstler unter⸗
lagen, wenn sie auf deutschem Boden arbeiteten, doch auch
deutschem Einfluß; und die Niederländer, deren Einwirkung
die wichtigere war, gehörten ja im weiteren Sinne noch der