Die darstellenden und die bildenden Künste. 297
nun schließlich doch in haltlosem Raffaelischen Manierismus und
damit auf der dem Fortschritt abgewandten Seite der Malerei.
Niemand zeigt das in der Entwicklung seiner Schaffenskraft
vielleicht klarer als Georg Pencz. Er ist der am meisten
italienische dieser Kleinmeister; dreimal mindestens war er in
Italien; die Einflüsse Raffaels, Marcantons, Giulio Romanos
und Scultoris, Giorgiones und Michelangelos spiegeln sich
nacheinander in seinen Schöpfungen ab, solange, bis er sich
schließlich gänzlich selbst verloren hatte und in schematischem
Manierismus unterging.

Pencz führt damit für das innere Deutschland aus dem
Kreise der Kleinmeister hinüber zu jener großen Anzahl voll—
kommen italisierter und barocker Meister, einem Stimmer, Bor—
berger, Christoph Schwarz, Hans von Aachen und deren Nach—
folgern, Meistern, deren Technik, wenigstens anfangs, keineswegs
gering war, die aber den von der nationalen Entwicklung ge⸗
wiesenen Weg gänzlich verlassen hatten und, wie sie zuerst die
Italiener nachahmten, so später die Niederländer nachgeahmt
haben, eine Schar bedauernswerter Kopisten.

Trotzdem haben sie aber das Leben der binnendeutschen
Malerei bis tief ins 18. Jahrhundert beherrscht, und nur
wenige Meister gab es neben ihnen, die wenigstens in der
Weise der alten deutschen Malerei weiter schufen, wie z. B.
J. Heinz (etwa 1565—1609), freilich auch sie, ohne die Ent—
wicklung zu fördern. Nur auf einem Gebiete erhielt sich
schließlich doch einigermaßen die alte Höhe, ja wurden sogar
noch einige selbständige Fortschritte gemacht: auf dem Gebiete
des Bildnisses. Nicht bloß der jüngere Cranach, ein Amberger,
ein Hans Brosamer, ein Bartel Bruyn haben hier bis über die
Mitte des 16. Jahrhunderts hinaus Gutes geschaffen; ihnen
folgten auch Generationen tüchtiger Porträtisten noch weit
hinweg über den Beginn des 18. Jahrhunderts.

2. Inzwischen aber war in den Niederlanden eine Ent—
wicklung angebahnt worden, welche nach anfänglichem Zaudern