300 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
der Darstellung des Nackten immer wieder Versuchen zur
Schattenmodellierung nachzugehen.

Nach diesen Meistern bezeichnet dann eine weitere Genera⸗
tion den vollen Sieg der Italiener: es sind Maler, die jetzt
ihre Ausbildung direkt in Italien erhalten, sich Schüler dieses
oder jenes großen Meisters jenseits der Berge rühmen und
mit tausend fremden Erinnerungen und voller akademischer
Haltung in die Heimat zurückkehren. So zunächst in den nörd⸗
lichen Niederlanden die Haarlemer Marten van Heemskerk
(14198 - 157 4), Hendrik Goltzius (1558 -1617) und Cornelis
Corneliszen (1562- 1638) und die Utrechter Abraham Bloe—
maert (18665 -1657), Gerard van Honthorst (7 1654), Cornelis
van Poelenburgh (f 1667) und andere.

Von ihnen sind die Haarlemer mehr von der idealistischen
Malerei der Italiener abhängig, während die Utrechter mehr
bon Caravaggio und jenem merkwürdigen Maler deutscher
Nation in Rom, dem Frankfurter Elsheimer (1578 bis ca. 1620),
gelernt haben, der früh von den Niederländern an die Geheim—
aisse der Licht⸗ und Schattenbildung, der Halbschatten und des
Helldunkels herangeführt worden war, deren Bedeutung selb⸗
ständig erfaßt hatte und nun von sich aus wieder seine nieder⸗
deutschen Landsleute befruchtete. Aus diesen Zusammenhängen
erklärt es sich, wenn die Utrechter Schule später noch lange in
einer ziemlich selbständigen Weise neben den großen Schulen
Haarlems und Amsterdams, Halsens und Rembrandts fort—

blühte: sie hatte deren Errungenschaften, wenn auch unvoll-⸗
kommen, vorweggenommen.

Im allgemeinen aber wurde der italienische Einfluß in den
nördlichen Niederlanden längst nicht so ausschließlich wirksam
wie auf vlamischem Boden. Die Vlamen hatten vor dem
Norden bis ins letzte Viertel des 16. Jahrhunderts, also fast
während der ganzen uns hier zunächst beschäftigenden Periode,
den Vorteil einer ungleich großartiger entwickelten Kultur und
eines viel ausgeprägteren Stadtlebens voraus: schon das brachte
sie den allgemeinen Daseinsbedingungen der italienis chen Malerei
Jäher. Vor allem aber erfreuten sie sich des Glanzes einer seit