Die darstellenden und die bildenden Künste. 308
tum, weit gesucht und geachtet, als Diplomat seines Fürsten
ebenso tätig wie als Künstler, unendlich beschäftigt und un—
endlich fruchtbar, bis zu seinem Tode im Jahre 1640 gewirkt
hat. Was er aus Italien mitbrachte, das war vor allem die
freie Entwicklung des eingeborenen Sinnes für die große
Figurenmalerei; diesen Sinn hatte er durch eingehendes Studium
der antiken Plastik gekräftigt und veredelt; ihn malerisch voll⸗
endeter zu gestalten, hatte ihn weiter die Beschäftigung mit den
großen Figurenmalern der nächsten Vergangenheit, von Tizian
und Michelangelo bis auf Veronese, gelehrt. Diesen Malern
entnahm Rubens auch das Gesetz der Komposition, das von
nun ab seine Schöpfungen beherrschte; der alte, architektonischer
Anregung entsprungene Gruppenaufbau von zentraler, am
liebsten pyramidal gegebener und von vorn gesehener Anordnung
wurde abgelöst durch eine freiere Art des Zusammenfassens, die
dem dargestellten Gegenstand mehr von der Seite her nahe⸗
kommt, ihn bei aller Konzentration auseinanderzieht und an
Stelle des hergebrachten Statuarischen ein fließenderes dramati⸗
sches Leben setzt.

Es ist eine Auffassung, die ohne weiteres erhöhten kolo⸗
ristischen Wirkungen zudrängt. Und hier ging Rubens alsbald,
wenn auch unter ihrer Anleitung, über die Italiener hinaus:
der freudige goldige Ton der Venetianer, von denen er in
diesem Gebiete besonders lernte, ward von ihm übertroffen,
indem er durch flüssigeren Farbenauftrag und noch mehr durch
meisterhafte Anwendung der Lasuren einen heiteren, fast über—
irdischen Glanz, eine Farbenverklärung seiner Bilder erreichte,
die vor ihm niemals gesehen worden war.

Und hier nun war der Punkt, wo der Künstler durch seine
erstaunliche Beobachtungsgabe und sein intensives Lebens⸗
gefühl hinausgetragen ward über die Meisterschaft des bloßen
Gesamttons hinein in die Probleme der Belichtung. Nicht die
gleichmäßig verteilte Wohligkeit irgendwelches gemeinsamen
Farbenmediums erschien ihm noch als das Ideal künstlerischer
Farben⸗ und Körperharmonie im Bilde, sondern vielmehr der
wechselnde, hervorhebende, zurückdrängende Erguß reinen Lichtes.