Die darstellenden und die bildenden Künste. 315
vermutlich der Lehrer des Bartholomeuns van der Helst. Dicht
aber bis an die Pforte der Beleuchtungsprobleme Rembrandts
führt dessen Lehrer Pieter Lastman (1583 1638); er ist schon
gänzlich im Besitze aller vlämischen Errungenschaften und geht
darůber hinaus, indem er, namentlich in seinen späteren Bildern,
das Licht hoch von einer Seite, meist von links, einfallen läßt,
mit ihm nur den mittleren Teil der Darstellung scharf be—
leuchtet und alles übrige in Schatten, Halbschatten und reichstem
Tonwechsel zu halten pflegt. Selbstverständlich war bei diesen
Versuchen die alte Konturmalerei längst aufgegeben; selbst so
weit war man, wenigstens vereinzelt, bald vorgeschritten, daß
man die Farben nicht mehr vertrieb, sondern unvermittelt
Farbenklecks neben Farbenklecks setzte; Frans Hals hat in seinem
Alter sogar Porträts in dieser Art gemalt.

Aber alledem gegenüber blieb noch ein letzter großer Schritt
zu tun: das Licht, der Allbeherrscher unserer Farben- und
Körpereindrücke, mußte in seine vollen Rechte eingesetzt und
damit zum zentralen Vermittler der Eindrücke auf malerischem
Gebiete überhaupt gemacht werden. Diesen Schritt, freilich
nur von künstlich gedachten Lichtquellen, bestimmt reguliertem,
nicht frei flatterndem Lichte ausgehend, hat Rembrandt getan.
In seinen Bildern schwimmt das Licht gleichsam in der Luft
und heftet sich als etwas Wesenhaftes an alles Körperliche und
Farbige wie an die dunklen Tiefen des Hintergrunds, ein Geist
gleichsam, der über dem Chaos der Farben, Töne, Schatten
der Erscheinungswelt brütet, es lebendig umfaßt. durchdringt
und gliedert.

Rembrandt hat sich der Lösung der außerordentlichen, in
dieser Richtung gelegenen Probleme einer Stilisierung — und
damit zugleich Idealisierung — des Lichtes als des eigentlich
Wesenhaften der Erscheinungswelt nicht in dem Sinne der
Italiener und auch der Vlamen dadurch genähert, daß er von
vornherein breite und einfache Effekte zu gewinnen suchte: indem
die Maler der Welt des nackten menschlichen Körpers diesen
Weg eingeschlagen hatten, waren sie auf den Abweg einer Auf—⸗
fassung des Nackten als des mehr oder minder Selbstleuchtenden