Die darstellenden und die bildenden Künste. 325
zu zeitigen. Sie folgte vielmehr den von anderswoher kommenden
Anregungen: so haben die früheren Genremaler den Ton auf—⸗
genommen; und die späteren Meister des Sittenbildes, der
wunderbar kraftvolle Steen z. B. oder der wenigstens in seiner
Jugendzeit übertrieben charakterisierende Ostade, schufen mit
der ganzen Wucht der mittlerweile entwickelten künstlichen Be—
lichtung. Aber die mit dieser Belichtung gegebenen Probleme
zu weiterem Fortschritt haben sie nicht wesentlich gefördert.
Sieht man auch davon ab, daß für ihre Bilder, die meist
Innenräume darstellen, die künstliche Lichtfüuhrung von vorn—
herein nur schwer zu übertreffende Vorteile bot, so lag es in
der Richtung selbst mit ihrer Betonung des Gegenständlichen,
daß ihre Malerei ein möglichst leicht zu verstehender Dolmetsch
dieses Gegenständlichen, des Inhaltes, werden mußte. Und
hierfür empfahl sich kein Experimentieren mit neuen malerischen
Möglichkeiten, sondern die möglichst klare, glatte, ja geleckte
Anwendung des Bekannten. So nimmt denn die Genremalerei
einen Verlauf in dieser Richtung — man denke an die Bilder
eines Dou (16131675) oder Metsu (7 1667) —, und die
Weiterführung der großen malerischen Probleme blieb Sache
der Vertreter eines andern Zweiges der Malerei, der Landschaft.

Aus sehr einfachem Grunde aber drängte sich vor allem
hier das Unzulängliche der künstlichen Lichtführung auf: die
Landschaft führte ins Freie, in die ungebundenen und unlenk⸗
baren atmosphärischen Wirkungen des Lichtes; eine außer⸗
ordentliche Summe neuer Probleme stieg damit empor: an die
Stelle der Bewältigung des künstlichen hätte die Bewãltigung
des natürlichen Lichtes treten müssen. Ist sie den holländischen
Landschaftern gelungen?

Das spätere Mittelalter, ja im großen und ganzen auch die
Zeit der Renaissance hatten eine selbständige Landschaft überhaupt
noch nicht gekannt; ihnen bildete das Landschaftliche nur den
Hintergrund irgendwelcher figürlicher Szenen. Dementsprechend
hatte man sich bis ins 15. Jahrhundert hinein mit sehr
einfachen landschaftlichen Andeutungen fast symbolischer und
Anamentaler Natur beholfen: grotesken Felsen, stilisierten