Die darstellenden und die bildenden Künste. 327
glanz. So haben die Niederländer des 15. Jahrhunderts ge—
malt, so gelegentlich noch Lucas von Leiden, wie im inneren
Deutschland Dürer.

Aber früh, sehr deutlich z. B. bei Roger van der Weiden,
stellten sich doch schon leise Anfänge der Luftperspektive ein,
freilich sehr mechanisch, indem man die hinter einer gewissen
Linie liegenden Partien der Landschaft in blauen Nuancen
hielt. Völlig entwickelt, bis zur sattesten Färbung in dunklem
Altramarin, nicht selten mit einem Zug ins Grünliche, findet
sich dann dieses Blauen des Hintergrundes beim älteren
Brueghel!.

Von dieser Stufe aus ging darauf die Entwicklung, wohl
unter Beihilfe italienischer Einflüsse, von dem Augenblicke an
weiter, da sich die Lands chaft im Verlaufe des 16. Jahrhunderts
aus ihrer bloßen Ergänzungsstellung zum Figurenbild loslöste
und selbständiger Vorwurf der Malerei wurde. Jetzt entstand
die Notwendigkeit, ihr zu den schon vorhandenen zwei Gründen
einen eigenen Vordergrund landschaftlichen Charakters zu geben.
Indem das geschah, entwickelte sich das Schema der drei
Gründe: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, und indem
für die drei Teile die Töne Braun, Grün und Blau ständig
angewandt wurden, erschien das Problem der Luftperspektive
mit Hilfe der damals entwickelten Tonmalerei zwar noch sehr
roh, aber immerhin doch schon in einer bestimmten. konventio⸗
nellen Form gelöst.

Nach dem Schema der drei Gründe haben dann fast alle
Maler des 16. Jahrhunderts gemalt; noch Rubens hat es
nicht ganz überwunden, und in mannigfachen Abwandlungen?
hat es vielfach noch fortgedauert bis weit ins 18., ja hinein
bis ins 19. Jahrhundert.

Allein bei der braunen, grünen, blauen Tonmalerei der
drei Gründe konnte man nicht stehen bleiben. In der Zeit,

nber die binnendeutsche Entwicklung (bis auf Altd
Dentigeihetede f Altdorfer) vgl.
geren hat namentlich der jüngere Teniers (T 1690) versucht.