332 J Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Ende fast noch verderblicher. Auch er wollte freilich zumeist
kleine Bilder, nicht aufregenden Inhalts, für den Salon, aber
er war doch auch größeren Aufträgen nicht grundsätzlich ab—
geneigt. Eines aber erstrebte er unter allen Umständen: Be—
friedigung seiner Kennerschaft, vor allem also raffinierteste
Technik. So wurden unter seinem Einfluß die Maler zu über—
aus feinen Handwerkern, die schließlich wie ihre Aufträge bei
hochmögenden Mijnheeren so ihre Seele bei Künstlern außer
Landes suchen mußten. Es war der Grund, warum sie, aus
anderen Motiven freilich als dereinst ihre Ahnen, von neuem
auf die Nachahmung der Italiener verfielen und damit dem
Geiste ihres Volkes verloren gingen.

Über dem Grabe aber der niederländischen Kunst erhob
sich für Vlamland und Holland drohend und siegreich der Ein—
fluß der Franzosen.

V
Wir stehen am Ausgange einer überaus wechselreichen und
von verworrenem Leben erfüllten Entwicklungsstufe der Phan—
tasietätigkeit unseres Volkes.

Zwei große Tatsachen vor allem sind es, deren Wirkung
in sie einschneidet und einen einfachen Verlauf von vornherein
ausschließt: die Einführung der antiken und italienischen Ele—
mente der Renaissance und die Trennung der Entwicklung in
eine binnendeutsche und eine niederländische.

Verfolgen wir die Wirkung der Renaissance in ihren all⸗
gemeinsten Zügen, so zeigt sich an erster Stelle, daß sie die—
jenigen Seiten der Entwicklung am wenigsten getroffen hat,
die recht eigentlich den graden Gang des Fortschritts bezeichnen.
Auf dem Gebiete der bildenden Künste kam es, nach dem Ver—
laufe der gesamten Entwicklung bis zum 16. Jahrhundert, im
17. Jahrhundert darauf an, daß die Herrschaft über das Licht
gewonnen ward; es war ein Ergebnis, das zuerst und am
reinsten in der Malerei gezeitigt wurde, in demjenigen Zweige
der bildenden Künste, dessen Wachsstum wohl vielfach von