Wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Dreißigjãhrigen Kriege. 341
—Ad
Ruin nur den letzten Ausdruck: eben in seinem Verlaufe ver—
scharrte sich, um mit Gryphius zu reden!, unser ganzes Vater⸗
land nunmehr in seine eigene Asche. Der Verfall selbft aber
als generelle Tatsache ist in Abertausenden von zeitgenössischen
Schilderungen bezeugt; und Aktenstücke wie Dichtungen reden
da eine gleich furchtbare Sprache. Nur einer Stimme unter
ihnen sei hier das Wort gegeben. Moscherosch klagt 1652 in
Melanders Abschied und Philanders Glückwünschung“:

„Es scheint, als wären wir den Fremden heimgestorben,

Und gehn zur Schlachtbank hin als wie das dumme Vieh ...

Was sind? Ach was sind wir? Ein Scheusal unfren Freunden,

Den Nachbarn ein Gespött, ein Anstoß unfern Feinden ...

ONntren falsche Treui Der Christen größte Seuche,

Zerrüttung aller Ständ, Zergliederung im Reiche,

Und was aus dieser wird in kurzem eingeführt,

Verfluchte Moderei, Wälsche Statisterei,

Unchristlich Deutelei, Tyrannisches Gemüte,

Ein wilde Barbarey und, welches Gott verhüte.

Ein' solche Christenheit, die ärger als Türkey.

O du armes Deutschland du,

Wie bist du gerichtet zu!

Vor warst du an allen Gütern reich!

Jetzt bist du mehr als einer Witwen gleich!“
Aber schwer ist es, über so allgemeine Schilderungen hinaus
zu einer wirklich dokumentierten und konkreten Anschauung der
durch den Krieg herbeigeführten Verluste zu gelangen. Denn
zweifelsohne sind viele einzelne Angaben in hohem Grade über⸗
trieben: schon deshalb, weil das Zeitalter des Barocks gern in
Hyperbeln sprach. Und weiterhin sind sehr häufig Mitteilungen,
deren Richtigkeit für den einzelnen Fall und Ort nicht be—
zweifelt werden kann, verallgemeinert, während doch feststeht,
daß die einzelnen Gegenden in sehr verschiedenem Maße von
der Kriegsfurie gelitten haben, die— protestantischen z. B. im
allgemeinen mehr, die katholischen weniger. Aber der zumeist
enge Horizont der Chronisten und Aktenschreiber der Zeit kennt

1 Porrede zu Leo Armenius,. 1646.