Wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Dreißigjährigen Kriege. 347
Handelsstraßen nach dem Westen — und durch den diesen
Wandlungen folgenden allgemeinen Rückgang der deutschen
Volkswirtschaft mit veranlaßt. In Italien fallen die Preise
schon seit Ende des 16. Jahrhunderts, in England dagegen
—— ins Zeitalter der Königin Elisabeth und
halten sich dann bis etwa zum Beginn des 19. Jahrhunderts.
Aber die Hauptdepression in Deutschland wird doch erst durch
den Ausgang des Dreißigjährigen Krieges und seine Folgen
veranlaßt; und erst das 18. Jahrhundert hat dann wieder
mit dem 16. Jahrhundert gleich hohe Preise.

Darnach ist also das 17. Jahrhundert durch eine starke,
seit den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges ungemein verschärfte
Entwertung aller Güter gekennzeichnet: und dauert die Ent⸗
wertung bis etwa 1700 an, so ist diese Wirkung gewiß vor⸗
nehmlich auf Rechnung des Krieges zu setzen.

Aber was bedeuten diese Verluste an wirtschaftlichem und
Volksreichtum schließlich gegenüber den ungleich schwereren
moralischen Einbußen, die die Nation erlitt! Ist hier die Bilanz
wiederum noch schwerer zu ziehen als auf den Gebieten der
materiellen und sozialen Kultur, so kann doch darüber kein
Zweifel bestehen, daß der Volkscharakter sich in die Bahnen
Aner überaus verhängnisvollen Entwicklung gedrängt sah. Nur
für einen, aber einen bis in die Gegenwart herein noch
wichtigen Punkt sei dies ausgeführt.

Unser Volk galt im ganzen Mittelalter und auch noch im
16. Jahrhundert für alles andere als im schlechten Sinne be⸗
scheiden; das Wort, daß nur die Lumpe bescheiden sind, hätte
in diesen Zeiten nicht geprägt werden können, so selbstverständ⸗
lich war sein Sinn. Und die benachbarten Nationen teilweis
höherer Kultur, Italiener, Franzosen, Engländer, haben der
Deutschen hohen Sinn, die Hochfahrt im edlen Verständnis des
Wortes wohl gekannt.

Wie anders sind die Eindrücke nach dem Dreißigjährigen
Kriege! Nicht bloß der Tatsache, auch der Gesinnung nach
schien der Deutsche der Sklave der großen Nationen der
Mopäischen Staatengemeinschaft geworden zu sein. Und noch