348 Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel.
mehr unterlag er dem Sklaventum gegen sich selbst, der inneren
Geringschätzung, dem Servilismus. Es ist eine Eigenschaft,
die noch viele Jahrzehnte und zahlreiche Bevölkerungsklassen
des 18. Jahrhunderts, namentlich auch das Bürgertum kenn⸗
zeichnet: und im Philister des 19. Jahrhunderts ist sie in ab⸗
geschwächten Formen noch weit länger, ja bis auf die Gegen⸗
wart vererbt worden. Da konnte im 18. Jahrhundert ein protestan⸗
tischer Prälat in Tübingen — sein Name bleibe unbekannt — in
einer besonderen Schrift als Vorzug seines Bekenntnisses zu
erweisen suchen, daß keine andere Kirche von jeher so servil
gewesen sei als die protestantische. Und selbst Karl Friedrich
hon Moser wußte in seiner Schrift vom Nationalgeist am Deutsch⸗
tum im Grunde nur diese Seite des Charakters zu rühmen:
„jede Nation hat ihre große Triebfeder; in Deutschland ist's der
Gehorsam, in England die Freiheit.“ Und der Verfasser einer
Erwiderung auf diese Schrift spricht noch deutlicher aus, was
gemeint war: „Schwerlich wird ein Genie aufstehen, dessen
Befehle unseren Gehorsam ermüden könnten.“ Hat Napoleon J.
nicht eine langjährige Probe auf diese Behauptung machen
können? Erst aus ganz anderen geistigen Entwicklungen als
denen des 17. Jahrhunderts, aus dem Laufe der Kultur der
Jahre 1750 bis 1800 erhob sich der furor teutonicus, ent—
sprang eine neue Heldenzeit der Nation, der der Korse zum
Opfer fiel.

II.
Indes die allgemeinen Bemerkungen über die Wirkungen
des großen Krieges bedürfen noch einer anschaulicheren Aus—
gestaltung im einzelnen. Und da muß zwischen den Zuständen
auf dem platten Lande und in den Städten unterschieden
werden.
Da ist es denn zunächst keine Frage, daß das platte Land
durch den Krieg mittelbar wie unmittelbar viel mehr gelitten
hat als die Städte. Zwar wenn man in diesem Zusammen⸗—
hange die an sich feststehende Tatsache starker Verschuldung des