Wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Dreißigjahrigen Kriege. 351
Die Erde wär ganz wild durchaus,
Wann du auf ihr nicht hieltest Haus;
Ganz traurig auf der Welt es stünd,
Wenn man kein Bauersmann mehr fünd.
Drum bist du billich hoch zu ehrn,
Weil du uns alle tuft ernährn;
Natur, die liebt dich selber auch,
Gott fegnet deinen Baurenbrauch.
Vom bitterbosen Podagram

Hoͤrt man nicht, daß an Bauren kam.
Das doch den Adel bringt in Not
Und manchen Reichen gar in Tod.
Der Hoffart bist du sehr befreit,
Absonderlich zu dieser Zeit;

Und daß sie auch nicht sei dein Herr
So gibt dir Gott des Kreuzes mehr.
Ja, der Soldaten böser Brauch

Dient gleichwohl dir zum Besten auch:
Daß Hochmut dich nicht nehme ein,
Sagt er: Dein Hab und Gut ist mein.
Hiernach läßt sich vermuten, was tausendfache Schilderungen
der Zeit und die ländliche Armut der Folgejahre bestätigen:
wohin Kriegsheere öfter gelangten, da war der Bauer verloren.
Nicht nur, daß sein Inventar, vor allem das lebende, ver⸗
dorben ward; ruchlos fällte man auch Fruchtbaum und Wald,
zuündete die Höfe an, notzüchtigte die Frauen und preßte die
Männer zur Soldateska oder zu anderen Diensten, wenn man
fie nicht gar marterte, ehe sie davonliefen. Die Folge war,
daß Gegenden, die vom Kriege viel zu leiden hatten, sei es
von Standquartieren des Winters oder häufigem Durchzug zu
guter Jahreszeit, so vor allem Mitteldeutschland und der deutsche
Südwesten, auf dem platten Lande teilweis völlig verödeten.
Von den Dörfern blieben nur Ruinen, von denen sich vielleicht
die geschwärzten Kirchmauern längere Zeit erhielten; im übrigen
fluteten die Bäche aus und bedeckten Acker und Dorfstraßen
und Hofstellen mit Moor und Sumpf, nicht minder wuchs
der Wald wiederum wild emvor, wie einst zur Urzeit, und um—