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Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel.
welche der neue Fürstenstaat den Untertanen auferlegte: denn
die Stände der einzelnen Territorien, mit Ausnahme der Städte
fast durchweg Grundherren zugleich, wußten diese Auflagen im
17. Jahrhundert wohl noch durchaus, im 18. Jahrhundert
wenigstens noch der Regel nach auf ihre Grundholden ab⸗
zuwälzen. In einer „Ekloga oder Gespräch zweier Hirten von
Krieg und Frieden“ vom Jahre 1639, von unbekanntem Dichter,
antwortet darum Damon auf Coridons Wunsch nach Frieden:

Du albern armer Tropf, du bist ja wohl betrogen;

Hat der Soldat dich nicht gänzlich ausgezogen,

der Schlösser Amtmann kommt, der Schreiber und Fiskal,

Die nehmen Haupt und Haar und bringen neue Qual.
Und über diese Qual der Steuer findet sich bei Logau ein
Sinngedicht, das auch wohl heute noch auf inniges Verständnis
rechnen kann:
Wie weise man auch sonst den Salomon geachtet,
So hat er doch hierin nicht alles recht betrachtet,
Daß zu der Dinge Zahl, die niemals werden satt,
Die Steuer er nicht auch noch beigesetzet hat.

Ist es zu vperwundern, wenn unter diesen Umständen der
Bauernstand wie wirtschaftlich so auch sittlich zurück⸗, ja teil—
weis sittlich zugrunde ging? Schon im 16. Jahrhundert hatte
man ihn mit Füßen getreten; —V nationalen
Gesellschaft nur noch aͤls Arbeitssklave und dennoch Steuer⸗
zahler zugleich anzugehören. Man verlangte von ihm nichts
Weiteres, und erreichte schließlich auch nichts mehr. Wo er
aber ausbrach aus seinen Banden, da erwies er sich jeder
inneren Zucht bar, zog marodierend durchs Land, gab die
Hefe aller Soldateska ab und betrog und schindete ärger als
sonst jemand die, die seinem Stande noch angehörten. Ja
s kam vor, daß die Insassen ganzer Dörfer zu fahrenden
Räuber-⸗ und Diebesbanden entarteten. Schleichhandel, Hehlerei,
Quacksalberei, Verkauf unsittlicher Bücher und Schriften wurden
dann die Grundlagen eines Lebens, das äußerlich als das des
Hausierers erschien.