Wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Dreißigjährigen Kriege. 357
Punkt zurück und weist das Dasein hohlen Prunkes als unter
allen Klassen des Bürgertums vorhanden nach.

Was aber die Völlerei angeht, so war das Trinken be—
kanntlich ein uraltes Laster der Deutschen. Doch die Frage
an die Willkommensäufer:

Ob solche Leut' auch Christen fein,
Dieweil sie saufen wie die Schwein',

Philander v. Sittewald)
war doch wohl dem Zeitalter nach dem Dreißigjährigen Kriege
vorbehalten. Vor allem war es in der Zeit des Krieges selber
vom Übel, daß sich der französische Branntwein als tägliches
Getränk zunächst im städtischen Bereiche eingeführt hatte,
während er noch im 16. Jahrhundert nur bei Festen Ver⸗
wendung fand. Und der Branntweinverbrauch wuchs noch
überaus, als das französische Erzeugnis in den siebziger Jahren
des Jahrhunderts dem heimischen Kornbranntwein zu weichen
begann. Zugleich mit dem Genusse des Branntweins aber be⸗
gann sich, ebenfalls zunächst in städtischen und höheren Kreisen,
nuch der Genuß des Tabaks zu verbreiten.

Merkwürdig nun und dennoch sehr begreiflich, wie dieser
zunehmenden Genußsucht bei gesunkenem Einkommen ein
Hunger nach Geld zur Seite trat, wie ihn frühere Zeiten auf
deutschem Boden auch nicht annähernd gekannt hatten. Gewiß
waren auch im 17. Jahrhundert häufig zitierte Sprüche,
wie der:

Geld, was stumm ist,

Macht richt, was krumm ist,
uralt: die Macht des Geldes zu preisen ist eine natürliche
Tendenz namentlich primitiver geldwirtschaftlicher Kulturen.
Neu aber war, mit welchem Eifer man es nun tat, und wie
dabei nicht so sehr die produktive Kraft des Geldes wie seine
Macht, alle Freuden der Konsumtion zu vermitteln, betont
wurde.
Unter solchen Anschauungen und Leidenschaften war man
dann nicht bloß der früher schon weitverbreiteten Ansicht wieder
verlustig gegangen, daß Geld vor allem zu produktiven Zwecken