358 Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel.
da sei; man hatte auch den edleren Formen ästhetischer und
intellektueller Konsumtion in dem Sinne, wie sie das 16. Jahr⸗
hundert gekannt hatte, fast durchaus Valet gesagt. Wie
Logau es ausspricht:

Wo der Geldsack ist daheim, ist die Kunst verreist;

Selten, daß sich Wissenschaft bei viel Reichtum weist.

Nun waren alle diese Erscheinungen gewiß nicht bloß solche
der bürgerlichen Kultur (wir werden später sehen, wie sehr sie
sich im Laufe der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch
in den adligen Ständen entwickelten): aber sie traten doch hier
am einfachsten, frühesten und deutlichsten aus dem Verfalle der
materiellen Kultur hervor und liefen am entschiedensten diesem
Verfall parallel. Denn weder im Handel noch in der Industrie
gelangte man einstweilen noch rascher vorwärts.

Am schlimmsten stand es zweifelsohne mit der Industrie
und besonders mit dem Handwerk, einst und noch immer dem
Nährboden des bürgerlichen Mittelstandes. Wohin wir sehen,
erblicken wir hier nichts als ein Trümmerfeld; man kann bis
ins 18. Jahrhundert hinein einen fast völligen Stillstand der
gewerblichen Kultur wahrnehmen; und selbst die technischen
Erfahrungen bereits beginnen in gewissen Gewerben infolge
mangelnden Gebrauches zu schwinden. Es ist vor allem die
wenn auch erst nach hartem Todeskampfe eintretende Sterbezeit
unseres einst so großen bürgerlichen Kunsthandwerks, nachdem
noch der Krieg wenigstens dem Waffenhandwerk einen letzten
Aufschwung gebracht hatte.

Aber auch die Massenindustrien starben aus oder gingen
zurück. Wo waren die großen Zeiten des Bergbaues ge—⸗
blieben! Wie viel Stollen waren jetzt verödet und verfallen,
wie viel Schachte ersoffen! Fast nur wo fremdes Kapital sich
des Betriebes bemächtigte, sah man Fortschritte. Und nicht
minder waren die alten, berühmten Textilindustrien der Wolle
und der Leinwand im Rückgang. Ihre Instrumente waren
vom Krieg vernichtet; ihr Rohmaterial wurde von dem er⸗
schöpften Lande nicht mehr produziert; ihre Arbeiter hatten das
freie Leben der Soldateska besser gefunden; und das schlimmste