Zweites Kapitel.
Politische Cage nach dem Dreißigiãhrigen Kriege.

Der Westfälische Friede hatte das europäische Übergewicht
Frankreichs und Schwedens noch nicht zu einem abschließenden
Ausdruck gebracht. War Schweden durch reiche Länder in
Deutschland entschädigt worden, so hob diese Tatsache doch das
durch ein Menschenalter von Kämpfen entwickelte und betätigte
kriegerische Bedürfnis der Nation keineswegs auf: sie war jetzt
auf neue militärische Expeditionen in allen ihren Lebensbedürf⸗
nissen angewiesen; ihre politischen Organe wie ihre soziale
Struktur waren zu der eines Angriffsstaates umgebildet. So
war von dieser Seite her keine Ruhe zu erwarten.

In Frankreich lagen die Dinge bis auf einen gewissen
Grad umgekehrt, aber für Deutschland nicht besser. Die Fran⸗
zosen hatten sich in den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges
aͤls alles andere denn als ein kriegsgewohntes Volk erwiesen.
Es war das auch im Friedensschlusse infofern zum Ausdruck
gelangt, als ihr Gewinn — wenn er auch mit den schwersten
Dpfern des Reiches erkauft ward — doch im Verhältnis zu
ihren Anstrengungen und der Ausstattung Schwedens gering
war. Indes bestand doch die Tatsache, daß Frankreich nun⸗

mehr das an Machtmitteln reichste Land des Kontinents war
und immer mehr ward; und auch seine kriegerischen Lorbeeren
begannen in den Wechselfällen des weitergeführten Krieges gegen
Spanien nochmals zu ergrünen. Als dieser dann durch den
Pyrenäischen Frieden des Jahres 1689 abgeschlossen wurde,