Politische Lage nach dem Dreißigjährigen Kriege. 365
Restitutionen, für die das Jahr 1624 als Normaljahr vor⸗
geschrieben war. Es bedurfte aller Anstrengung der schwedisch—
protestantischen Politik, ja des schwedischen Heeres unter seinem
Generalissimus Karl Gustav von Pfalz⸗Zweibrücken, dem nach⸗
maligen Schwedenkönig, um sie zur Nachgiebigkeit zu veranlassen;
erst der Friedensexekutions⸗Hauptabschied vom 26. Juni 1650
besiegelte diese; und erst damals feierte man an vielen vor⸗
sichtigen Orten im Reiche das Dankfest für den Frieden, der
wwei Jahre zuvor verkündet worden war.

Gleichwohl blieb die Luft im Reiche trüb, und trotz
allem drohte Sturm von den auswärtigen Mächten. Wie der
doppelten Ungewißheit begegnen? Die Territorialherren hatten
jetzt freilich das Recht der Souveränität, aber damit hatten
sie auch sich „selbsten zu salvieren“; selbstherrlich, aber klein,
hatten sie um so mehr um ihr Schicksal besorgt zu sein. Sie
konnten ihre Zukunft nur retten durch gegenseitiges Bündnis.
Und so begannen alsbald nach dem Friedensschlusse im Reiche
die lebhaftesten Bundnisbewegungen, sich gegenseitig durch—
schlingend, durchdringend: ein wüster Knäuel bald aufrichtiger,
bald hinterhaltiger Verhandlungen, entgegengesetzter Absichten.
schließlich geringer Erfolge.

Zunächst fanden sich die Stände des oberrheinischen, dann
auch des kurrheinischen Kreises in besonderen Verteidigungs⸗
bünden zusammen; diese galten vor allem dem Schutze gegen die
bedrohlichen Einlagerungen des landflüchtigen Herzogs Karl
von Lothringen, der das Rheinland allenthalben brandschatzte,
bis er von den Franzosen beseitigt ward. Es war eine Be—
wegung, die noch nicht uüber die gesetzmäßige Bezirkseinteilung
des Reiches hinweggriff. Aber hald entwickelten sich auch reichs⸗
gesetzlich nicht gegebene und nicht zugelassene Brennpunkte weiterer
Bündnisbestrebungen; vor allem verhandelten die drei braun⸗

schweigischen Höfe miteinander; und, mit ihnen schlossen sich im
Jahre 1652 das schwedische Bremen⸗Verden und Hessen⸗Kassel
in der sogenannten Hildesheimer Allianz zusammen.
Es waren Bestrebungen, die vor allem dem Schutze der
eigenen Lande, weniger höheren politischen Zwecken galten. Diese