366 Achtzehntes Buch. Zweites RKapitel.
dagegen nahm der westfälische Graf Georg Friedrich von Waldeck,
damals der kühne Leiter der brandenburgischen Politik, in seine
Ziele auf. Sein Kurfürst Führer der protestantischen Fürsten—
partei im Reiche, ja darüber hinaus Haupt eines interkonfessio—
nellen Fürstenwiderstandes gegen das Haus Habsburg: das war
sein großer, in glänzenden Denkschriften entwickelter Plan. Die
wirklichen Ergebnisse wurden freilich so kühnem Wollen in keiner
Weise gerecht. Mit Kursachsen und Kurpfalz, den früheren
Trägern der protestantischen Oppositionsideen im Reiche, konnte
der junge Rival Brandenburg schwerlich ergebnisreiche Ver—
handlungen führen; Braunschweig, das aufstrebende Haus des
westlichen Norddeutschlands, wurde nur schwer und unzureichend
gewonnen; und der zeitweis Brandenburg wohlwollende, ja
befreundete Kurfürst Maximilian Heinrich von Köln, zugleich
Bischof von Lüttich und Hildesheim, ein bayrischer Prinz,
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westens bei, der sich auf Anregung des Bischofs von Münster
gebildet hatte, und dessen Mitglieder wenigstens teilweise Branden⸗
burg feindlich gesinnt waren. So halfen auch Subsidienverhand⸗
lungen mit Frankreich nichts: die brandenburgischen Absichten
blieben unverwirklicht.

Einen gewissen Erfolg hatten schließlich nur erneute
Bundesbestrebungen am Rhein, deren Mittelpunkt der patrio—
tische Kurfürst Johann Philipp von Mainz war; wir werden
ihnen noch später in der Erzählung der Schicksale der Rhein—
lande begegnen.

So viel aber war nach allem etwa um das Jahr 1658 klar:
wohin man nur im Reiche sah, da machten die Fürsten von
ihrer neuen Souveränität in diplomatischen Verhandlungen den
weitherzigsten Gebrauch. Gewiß war nun diese Haltung nicht
neu; schon das 16. Jahrhundert hatte den Schmalkaldischen
Bund, die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts die Union und
die Liga entstehen sehen. Aber doch war man sich im wesent⸗
lichen wenigstens des Außerordentlichen, wenn nicht des Un—
gesetzlichen dieser Vereinigungen bewußt gewesen. Jetzt dagegen
erschienen sie völlig berechtigt, und auch die kleinsten Fürsten