368 J Achtzehntes Buch. Zweites Kapitel.
Aber auch gegenüber dem Bürgertum der großen Städte
gewannen die Fürsten jetzt vollends das Übergewicht. Wir
wissen, wie sehr die Entwicklung der Großstädte durch die all—
gemeinen wirtschaftlichen Vorgänge seit der ersten Hälfte des
16. Jahrhunderts unterbunden worden war!. Nun ging ihnen
vielfach auch noch die letzte Errungenschaft früherer Blütezeiten
verloren, die Freiheit. Zwar gab es Städte, die sich selbst jetzt
noch schon bestehender landesherrlicher Einwirkung zu entziehen
suchten und tapfer für eine erst zu erringende Selbständigkeit
kämpften: so in Westfalen allein schon Herford, Minden und
Osnabrück. Im ganzen aber war die Lage umgekehrt. Wo
große Städte, sei es unter dem vollen Titel der Reichsfreiheit
oder unter dem Anspruche tatsächlich bestehender Autonomie,
—
tige Landesherren gegen sie vor; und fast stets endete der un—
gleiche Kampf mit der festeren Einverleibung der Städte in
die siegreichen Territorien. So ist Münster 1661 an das Bis—
tum gleichen Namens gefallen, Erfurt 1664 an Mainz, Magde—
burg 1666 an Brandenburg, Braunschweig 1671 an Wolfen⸗
büttel; und hielten sich an der Nordsee die alten Hansestädte
Bremen und Hamburg gegen die Angriffe Schwedens und Däne—
marks unter sauren Mühen noch eben aufrecht, so hatten sie
es doch wesentlich dem Umstande zu danken, daß ihre Feinde
gegeneinander in offenem Wettbewerb, als Ausländer galten
oder Ausländer waren, daß die Niederlande für sie ein—
traten, weil sie am Nordseestrande dänisches und schwedisches
Regiment scheuten, und daß vor allem die benachbarten deutschen
Fürsten keinen der Nordlandskönige als Sieger wünschten; zum
Schutze Bremens gegen Schweden haben im Jahre 1666 die
Generalstaaten, König Friedrich von Dänemark, der Große Kur⸗
fürst und die Herzöge von Braunschweig einen ausdrücklichen
Bund geschlossen.

Noch weniger aber als in Norddeutschland behielt in Süd⸗
deutschland das Bürgertum seine alte Bedeutung. Zwar kam

Bgl. Bd. VI, S. 12 ff.