Allgemeiner Verlauf der Durchbildung des Absolutismus. 399
die Fürsten noch immer unter dem stärksten Nachhall der re—
formatorisch⸗patriarchalischen Anschauungen blieben; und sie
blieben unter ihm, weil sie sich noch immer nicht so sehr als
Souveräne eines moderner entwickelten Staates denn als
Haushalter und Grundherren eines mittelalterlichen Territoriums
empfanden: wie denn in der Tat die meisten Territorien infolge
des Ruines und Zurückbleibens der Wirtschaftsentwicklung seit
der Mitte des 16. Jahrhunderts noch bis zum Ausgange des
18. Jahrhunderts starke Reste mittelalterlichen wirtschaftlichen
und sozialen Lebens aufgewiesen haben. Daher denn auch noch
die vielen persönlichen Schrullen selbst bei den gewissenhaftesten
Fürsten: die langen Kerle z. B. Friedrich Wilhelms J. von
Preußen, sowie die großen Ausgaben anderer für Feste, Bauten,
Sammlungen, wie z. B. bei den sächsischen Fürsten: beides auf
Grund eines Herrschergefühls, das noch nicht von vollstem Staats⸗
gefühle durchtränkt ist. Auch die Tatsache, daß sich für wichtige
Verwaltungsänderungen unter dem Großen Kurfürsten (und
noch mehr unter Friedrich Wilhelm 1.) keine aktenmäßigen
Belege vorfinden, kann hierhergezogen werden; diese Ver—⸗
änderungen beruhten eben ganz auf der persönlich haus⸗
hälterischen Initiative der Fürsten. Freilich mochten viele
dieser Erscheinungen auch mit durch die Ansicht veranlaßt
werden, aͤußerer Glanz erhöhe die Fürstenwürde und mit ihr
die Bedeutung des Landes. Allein daneben stand doch noch
ein entschieden persönliches Moment: der Fürst fühlte sich
noch nicht völlig im Dienste und Banne einer systematisch ent⸗
wickelten Staatssouveränität. So ist es namentlich bei Friedrich
Wilhelm J. noch deutlich genug, daß er sich zwar dem Staate
aufopferte, aber auch ihm gleichsetzte: die Staatstheorie schwebte
noch nicht über seinem Haupte. Nun ist gewiß in Deutsch⸗
land ein Rest dieser Auffassung der absoluten Monarchie
immer bestehen geblieben. Die Ers cheinung ist darin begründet,
daß eben die Souveränität Attribut einer Person war. Im
uübrigen aber bahnte sich doch seit den Zeiten Friedrichs des
Großen eine Anderung der Auffassung an. Die Worte des
Großen Kurfürsten: „die gesturus sum principatum, ut